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Wie macht sich IT-Architektur nützlich?

Kategorie: Trends des Monats
© Thinkstock Diese Frage haben mein Kollege Oliver F. Nandico und ich mit jeweils ca. 30 verantwortlichen IT-Architekten diskutiert: Oliver F. Nandico am 13.11. in München und ich am 20.11. in Hamburg. Aus den Vorträgen und den Diskussionen war klar ersichtlich, dass der Reifegrad einer aktiv steuernden Architekturabteilung mit zunehmender Größe der IT-Landschaft korreliert. Je größer und älter die IT-Landschaft, desto länger hat ein Unternehmen eine zentrale Architekturabteilung etabliert, umso reifer waren die durch diese Abteilung gesteuerten Prozesse.

Immer wieder waberten auch die Anti-Patterns „Architektur im Elfenbeintrum“ oder „Architektur als Bremse“ durch die Diskussionen. Wo diese Anti-Pattern kein Thema sind, erarbeiten Architekten mit sehr viel persönlicher praktischer Software-Entwicklungserfahrung pragmatische Richtlinien und Leitplanken, deren Nutzen vielen in der IT sofort einsichtig ist. So propagieren (fast) alle Unternehmen Standard-Technologiestacks für Software-Entwicklungsumgebungen, Programmiersprachen, Qualitätssicherungswerkzeuge, Java Frameworks und Bibliotheken, Open Source Produkte und Infrastrukturkomponenten.

 Interessant war dabei die Frage: Wie setzt man diese Standards durch? In vielen Unternehmen haben sich dazu sogenannte Architekturboards bewährt, ohne deren Zustimmung keine Abweichung von Standards erlaubt wird. Nur das Top-Management kann diese Boards überstimmen. Die Architekturboards steuern dann auch die Aktualisierung dieser Standards zum Beispiel durch Entfernen oder Hinzufügen einer Technologie in den Standard. Kombiniert mit regelmäßigen Innovationsworkshops wird durch die Architekturboards die Relevanz von neuen Technologien für das Unternehmen geprüft, so dass einerseits die Richtlinien zu Standards keine Bremse für Innovation sind, aber andererseits kein irgendwann nicht mehr zu kontrollierender Wildwuchs entsteht. Im Architekturboard sollten dazu die richtigen Architekten von der Basis aus verschiedenen IT-Bereichen (Entwicklung, Betrieb, Demand-Management, etc.) zusammentreffen und zusammen entscheiden. Die Architekturabteilung ist konstruktiver Moderator dieser Prozesse.

Eine interessante Aufgabenbeschreibung eines Architekten war: „Ich löse Probleme“. Wenn in der IT- Umsetzung Probleme auftauchen, wenn sie insbesondere technische Anforderungen nicht erfüllt, dann greift dieser Kollege direkt ein – ganz im Sinne auch einer agilen, vor allem aber wirksamen, Vorgehensweise. Entscheidend für die Wirksamkeit einer Architekturabteilung ist nach dem, was uns die Kolleginnen und Kollegen dargestellt haben, die Unterstützung bei großen Transformationsprogrammen. Ob das die Umsetzung von Regulierungsanforderungen im Finanzsektor oder das Verfolgen einer Multichannel-Strategie im Einzelhandel ist, hier sind die Architekten an der vordersten Front der Veränderung gefordert.

In den Diskussionen konnten wir keinen Unterschied erkennen, ob ein verantwortlicher Architekt in einer mehr durch Standardsoftware (z.B. SAP) oder in einer mehr durch Individualsoftware geprägten IT-Landschaft wirkt. Für den Erfolg wichtig ist nur, dass man seine Strategie konsequent verfolgt. Dabei haben wir beobachtet, dass die Umstellung des kompletten Kerngeschäfts auf eine oder mehrere neue Software-Lösungen  gut und gerne zehn Jahre oder gar länger dauern kann. Nachhaltige Software-Entwicklung ist entscheidend für den langfristigen Erfolg und trotzdem muss man vorne schon wieder runderneuen, wenn man hinten gerade fertig ist. 

Wie macht sich IT-Architektur in Ihrem Unternehmen nützlich? Wie nehmen Sie Ihre Architekturabteilung wahr? Als Bremse oder Innovator, als Elfenbeinturm oder als nützlichen Richtliniengeber, als Kostenstelle oder als Effizienzoptimierer?


Autoren: Oliver F. Nandico und Karl Prott 

Über den Autor

Karl Prott

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