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Bimodal IT - (R)Evolution?

Kategorie: Trends des Monats
© Thinkstock75 Prozent aller Organisationen werden im Jahre 2017 ihre IT auf Bimodal umgestellt haben, so lautet die Annahme von Daryl Plummer (Managing Vice President und Gartner Fellow). Unserer Meinung nach ist das eine gewagte Hypothese, wenn man bedenkt, dass Gartner den Begriff "Bimodal IT" erst vor einem Jahr eingeführt hat und die Bedeutung den meisten IT-Entscheidern noch weitestgehend unbekannt ist.

In der IT-Welt  herrscht Zwiespalt.
Der eine Teil der CIOs bevorzugt weiterhin den Ansatz der traditionellen IT (Plan-Build-Run), der andere Teil  den Ansatz der agilen IT.

Traditionelle IT basiert im Wesentlichen auf dem Wasserfall-Prinzip oder dem V-Modell - mit der Maßgabe, das, was gemacht wird, beim ersten Mal richtig und perfekt zu machen. Dabei werden die Aufgaben sequentiell gemäß einem sorgfältig erstellten Plan abgearbeitet. Nachteil dieses Vorgehens ist, dass kurzfristige Veränderungen sehr schwer zu integrieren sind. Der Plan ist also Dreh- und Angelpunkt der traditionellen IT.

Hier setzt die agile IT ein. Agile IT-Organisationen können sehr flexibel auf Veränderungen reagieren bzw. diese adaptieren und implementieren. Agiler IT wird aber oft vorgeworfen, dass agil erstellte Lösungen seien nicht perfekt, weil sie aufgrund der sehr schnellen Implementierung nicht ausreichend konzipiert und getestet wurden. Die iterative Umsetzung von akuten Kundenanforderungen steht im Fokus der agilen IT. Es besteht hierbei das Risiko, dass bei zu vielen Veränderungen und Anforderungen in sehr kurzen Abständen ein unübersichtlicher bis chaotischer Zustand der Implementierung entstehen kann.

Warum nicht beide Methoden parallel einsetzen?
Bimodal IT ist vereinfacht gesagt der parallele Einsatz zweier unterschiedlicher Methoden: der traditionellen und der agilen IT. Versucht Gartner mit diesem neuen Ansatz den Graben in der IT Welt zu kitten oder ist Bimodal tatsächlich die konsequente Weiterentwicklung der Arbeitsweise in modernen IT-Organisationen?

Eine Transformation der IT-Organisation hin zu bimodal bedeutet, dass die Organisation quasi zwei parallele Teams etabliert. Das eine Team arbeitet „ traditionell“ und gewährleistet, dass die Geschäftsanwendungen sicher betrieben werden bzw. fokussiert sich auf langfristige strategische Ziele und Aufgaben. Das zweite - also das agile - Team reagiert auf die sich schnell ändernden geschäftlichen und technologischen Rahmenbedingungen und stellt entsprechende Lösungen zur Verfügung.

Traditionelle IT Agile IT
Arbeitet nach plangetriebenen
Methoden
 
Arbeitet nach Agilen Methoden wie Scrum, Kanban, DevOps etc.
Definiert und plant Ziele und misst den Fortschritt der Zielerreichung am Plan
 
Reagiert schnell auf Veränderungen und erzielt schnelle Ergebnisse ermöglicht frühes Feedback. Misst den Fortschritt nach Ergebnissen.
Arbeitet sequentiell oder linear die langfristigen Ziele ab
 
Arbeitet dynamisch und experimentell kurzfristige Ziele ab und reagiert auf Fehler/Veränderungen resultierend aus frühem Feedback.
Hat stets das große Bild vor den Augen
 
Fokussiert auf das aktuell am höchsten priorisierten Anforderungen
Lange Iterationen (mehr als 6 Monate)
 
Kurze Iterationen (weniger als  4 Wochen)
Kostenoptimierter Ansatz
 
Ergebnisoptimierter Ansatz

Müssen sich die Unternehmen also neu erfinden?
Eine erfolgreiche Umstellung auf Bimodal IT bringt weitläufige Veränderungen im gesamten Unternehmen mit sich und betrifft nicht nur die IT. Bimodal IT wird sicherlich ohne Veränderung in der IT-Organisation sowie auch in der gesamten Unternehmenskultur nicht funktionieren. Die Entscheidung, welches Team welche Anforderungen umsetzt, wird in der IT-Organisation getroffen. Das bedeutet aber, dass sich die Fachbereiche darauf einstellen müssen, ohne nachvollziehen zu können bzw. zu müssen, warum sie unter Umständen bei ähnlichen Anforderungen unterschiedliche Ansprechpartner haben. Die Fachbereiche müssen also gegebenenfalls auch unterschiedlich lange Bearbeitungszeiten akzeptieren. Abnahmekriterien, gegen die geprüft wird, ob eine Anforderung vollständig umgesetzt ist, werden in wesentlich höherem Maße relevanter als bisher.

Die Herausforderung für die IT-Organisationen wird es sein, für sich die richtige Mischung der Teams im Rahmen von Bimodal IT zu finden. Ein Patentrezept wird es sicherlich nicht geben. Anfragen des Fachbereichs an die IT-Organisation müssen stets auf die Frage hin überprüft werden, welches Team diese beantworten soll. Auch die Verwaltung der Ressourcen muss unterschiedlich bewältigt werden. Es wird schwieriger, Mitarbeiter mit freien Kapazitäten kurzfristig dem anderen Team zuzuweisen, da die Teams unterschiedliche Methoden nutzen. Die Verwaltung und Finanzierung beider Teams muss zudem unterschiedlich erfolgen. Dies bedeutet für die IT Verantwortlichen erhöhter Aufwand, denn die Teams müssen unterschiedlich geführt, gefordert und gefördert werden. Antworten auf die obigen Fragen nach Veränderungen in Organisationsstruktur, -kultur und -abläufen gibt es noch nicht final.

Sie arbeiten bereits bimodal und wissen es gar nicht?
Agile Methoden werden derzeit nur von wenigen Unternehmen durchgängig eingesetzt. Die Mehrheit der Unternehmen setzt diese situativ ein. Dies bestätigt auch eine kürzlich erschienene Studie des BPM-Labors der Hochschule Koblenz. Im Unterschied zur reinen Bimodal IT nach den Vorstellungen von Gartner, haben diese Unternehmen nicht zwei parallele Teams, die nach unterschiedlichen Methoden arbeiten, sondern meist nur ein Team, das sich beider Methoden bedient. In vielen Fällen geht die Mischform soweit, dass das gleiche Team im Verlauf eines Projektes beide Methoden einsetzt. Einerseits hat dies den Vorteil, dass die Unternehmensstruktur nicht wesentlich verändert werden muss. Andererseits bedingt es aber, dass die Schlüsselpersonen in der IT-Organisation sowohl die Methoden der traditionellen als auch der agilen IT beherrschen müssen.

Wie ist es in Ihrem Unternehmen? Ist Ihre IT-Organisation auch bereits auf eine“ Art“ Bimodal aufgestellt? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns. 

Über den Autor

Ismet Gülkanat
Ismet Gülkanat
Seit seinem Informatikstudium verfolgt Ismet Gülkanat die Trends rund um die Informationssicherheit und ist stets auf der Suche nach neuen Methoden und Werkzeugen, um den stetig steigenden Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden. Als Technologie-Experte von Capgemini beschäftigt er sich vor allem mit IT-Infrastruktur und Betriebsprozessen. Derzeit konzentriert er sich auf die Beratung von Unternehmen und unterstützt sie bei der Umsetzung von Sicherheitskonzepten.

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