IT-Trends-Blog

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Ein persönlicher Blick auf die Gartner-Technologie-Prognose

Kategorie: Trends des Monats
© ThinkstockDer US-amerikanische Analyst Gartner ist im Oktober immer der erste, der IT-Trends für das kommende Jahr veröffentlicht. Er definiert sie als Technologien, die innerhalb der nächsten drei Jahre für die Mehrheit relevant werden und die kein Unternehmen bei der strategischen Planung ignorieren sollte. Wirklich? Die deutsche Wirtschaft funktioniert oft ein bisschen anders und deutsche Verbraucher sind in manchen Dingen skeptischer als Amerikaner. Deshalb lohnt es sich, die Gartner-Trends genauer zu analysieren und anhand deutscher Studien auf hiesige Verhältnisse zu übersetzen. In den kommenden Wochen werden wir in diesem Blog dann auch die Prognosen von PAC und IDC unter die Lupe nehmen.

Trend 1: Computing Everywhere
Gartner prognostiziert, dass mobile Endgeräte den Alltag immer mehr durchdringen. Diesen Trend sieht man auch in Deutschland: Laut Statista nutzten im August 2013 bereits knapp 60 Prozent aller Mobiltelefonierer ein Smartphone. Hinzu kommen noch Tablets, Notebooks und Wearables. Laut Gartner geht es jetzt darum, sich auf die Bedürfnisse des Anwenders in verschiedenen Kontexten zu konzentrieren, anstatt nur auf die einzelnen Geräte.

Trend 2: Internet der Dinge
Neue Geschäftsmodelle entstehen nach Meinung des Analysten nicht nur auf der Basis des Internets der Dinge, sondern generell durch die Digitalisierung. Deshalb sollten sich Unternehmen jeder Branche und egal ob Produkthersteller oder Dienstleister mit den neuen Möglichkeiten beschäftigen. Da in Deutschland Forschung und Entwicklung rund um das Thema Industrie 4.0 von der Bunderegierung gefördert werden, steht das Internet der Dinge natürlich im Mittelpunkt, aber auch abseits davon wurden in den vergangenen Jahren viele innovative Start-ups gegründet und neue Geschäftsideen von etablierten Unternehmen entwickelt, darunter Car Sharing-Modelle, Dienstleistungs- und private Wohnraumvermittlungen, Smart Home-Systeme und vieles mehr.
 
Trend 3: 3D-Printing
Die Auslieferung von 3D-Druckern soll 2015 um 98 Prozent ansteigen, kein Wunder, denn die Branche startet auf niedrigem Niveau. Laut Gartner wird der 3D-Druck in den nächsten drei Jahren eine kritische Schwelle überschreiten, da es neue Anwendungen gibt und die Geräte preiswerter werden. Meiner Meinung nach betrifft dieser Trend aber nur bestimmte Branchen. Darüber hinaus wird sich 3D-Druck hierzulande wahrscheinlich nicht innerhalb der nächsten drei Jahre auf breiter Front durchsetzen, ich denke, dass fünf Jahre – wenn überhaupt – realistischer wären. Allerdings gibt es kaum Zahlen zu diesem Thema.
 
Trend 4: Allgegenwärtige Analyse
Bei diesem Thema wird Gartner wieder konkret: Das Unternehmen sieht Analysen aller Art als das nächste große Thema in der IT. Einerseits wird es immer mehr Daten geben, die man analysieren kann, andererseits kann man dadurch bessere Entscheidungen treffen und Kunden neue Services anbieten. Prinzipiell sehe ich diese Entwicklung auch hier in Deutschland, allerdings könnte das hohe Bewusstsein für Datenschutz die Entwicklung verzögern beziehungsweise die verfügbaren Daten begrenzen. Big Data Analytics beispielsweise nimmt hierzulande gerade erst Fahrt auf. 
 
Trend 5: Kontext-sensitive Systeme
Darunter versteht Gartner intelligente Systeme, die wissen, wo sie sind, was geschieht und entsprechend darauf reagieren können. Das hört sich an wie Science Fiction, ist heute aber schon möglich. Ein in Gartners Augen relativ simples Beispiel ist Context-aware Security, die hierzulande allerdings noch in den Kinderschuhen steckt. Demzufolge glaube ich nicht, dass sich 2015 alle Unternehmen mit diesem Thema auseinandersetzen werden.
 
Trend 6: Intelligente Maschinen
Ja, auch die sind im Kommen, allerdings reden wir schon sehr lange über selbstlernende, intelligente Maschinen. Im Alltag haben wir noch keine davon gesehen, obwohl die Voraussetzungen dafür in den letzten Jahren deutlich besser geworden sind. Gartner führt als Beispiel das selbstfahrende Auto an, das in Kalifornien bereits zugelassen wurde. Davon ist Deutschland jedoch noch weit entfernt: Hier sind weder die rechtlichen, versicherungstechnischen noch die politischen Rahmenbedingungen geklärt. In anderen Bereichen sieht es ähnlich aus. Deshalb denke ich, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis sich intelligente Maschinen im Haushalt, in der Produktion und auf der Straße durchsetzen werden.
 
Trend 7: Cloud/Client Computing
Gartner glaubt an die Cloud als universelle Plattform für jede Art von Applikation. Während sich Cloud Computing in anderen Ländern bereits stark verbreitet, steht in Deutschland der Sicherheitsgedanke im Vordergrund und sorgt für Zurückhaltung. Darüber hinaus werden viele alte Anwendungen wohl nicht Cloud-tauglich gemacht werden, so dass es eine Zeit lang dauern wird, bis sich die IT-Landschaften verjüngt haben und fit für die Cloud sind. Deshalb schätze ich, dass unser Tempo bei der Cloud-Adaption langsamer als im Ausland sein wird und es länger dauert, bis sich die Koordination der Nutzung verschiedener Endgeräte über die Cloud durchsetzen wird.
 
Trend 8: Softwaredefinierte Anwendungen und Infrastruktur
Durch die Entkopplung von Steuer- und Datenebene können Geräte flexibler verwaltet und an neue Bedingungen angepasst werden. Softwaredefinierte Netzwerke, Speicher, Rechenzentren und Sicherheit reifen laut Gartner, sind in Deutschland aber noch wenig verbreitet.
 
Trend 9: IT in der Größenordnung des Internets
Darunter versteht Gartner meiner Meinung nach die IT des eigenen Unternehmens so skalierbar und flexibel wie die eines großen Cloud-Anbieters zu machen. Das wird sich laut dem Analysten allerdings erst im Laufe der Zeit entwickeln, Voraussetzungen dafür sind Cloud Computing, neue Hardware und DevOps. Der Trend zur Zusammenarbeit der Softwaredesigner mit dem Betrieb steht in Deutschland aber ebenfalls noch am Anfang, beim Cloud Computing sind sie auch nicht so weit wie die Briten oder Amerikaner. Deshalb glaube ich, dass auch dieser Trend länger brauchen wird, um sich hierzulande durchzusetzen.   
 
Trend 10: Risikobasierte Sicherheit und sich selbst schützende Systeme
Gartner geht davon aus, dass IT-Sicherheit im Rahmen der Digitalisierung noch wichtiger wird. Sie kann sich jedoch als Hemmschuh erweisen, wenn der Anspruch besteht, dass alle IT-Systeme stets optimal geschützt sein müssen. Deshalb glaubt Gartner, dass Unternehmen Risiken stärker analysieren und selektiver darauf reagieren sollten. Auf der technischen Ebene würde die Sicherheit stärker auf Anwendungen verlagert, die sich selbst schützen, auch entsprechend des Kontextes, in dem sie genutzt werden. Da deutsche CIOs sehr sicherheitsbewusst sind, wird es ihnen meiner Meinung nach aber schwer fallen, an weniger kritischen Stellen bewusst Risiken in Kauf zu nehmen. Ich glaube trotzdem, dass das Konzept der „verteilten“ Sicherheit hier in Zukunft Anklang finden wird.
 
Fazit: 2015 wird ein Jahr mit vielen Veränderungen 
Mit der Digitalisierung kommen zahlreich neue Herausforderungen auf die Unternehmens-IT zu, allerdings wird es hierzulande mit der Umsetzung vieler neuer Technologien nicht so schnell gehen, wie in den USA. Nichts desto trotz sollte man sich schon einmal mit den neuen Trends auseinandersetzen, auch wenn es noch ein paar Jahre dauert, bis sie hier ankommen. Was meinen Sie?

© Gartner

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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