IT-Trends-Blog

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Augmented Reality erobert Public Sector

Kategorie: Trends am Horizont
In der Wirtschaft ist der Trend Augmented Reality (AR) bereits angekommen. Virtuelle Objekte werden mit der Realität verschmolzen – beispielsweise mittels eines AR-Browsers (z.B. Junaio, Layar, …), der das laufende Kamerabild der realen Welt mit virtuellen Objekten (z.B. Pfeilen und Linien) überlagert. Besonders interessant wird diese Technologie durch die aufkommenden Smart Glasses, dank derer der Benutzer permanent mit Informationen versorgt werden kann, ohne explizit danach zu suchen. Außerdem muss er nicht auf einen Display schauen und hat beide Hände frei.
 
In der Industrie sind bereits viele potenzielle Einsatzgebiete bekannt, wie z.B. der Gabelstaplerfahrer, der den richtigen Regalplatz grün blinkend angezeigt bekommt. Doch inwieweit sind auch Anwendungsfälle im öffentlichen Sektor denkbar? Können Behörden von Augmented Reality profitieren?
 
Augmented Reality eignet sich meiner Meinung nach vor allem dort, wo Behördenmitarbeiter
  1. unterwegs Daten aus unterschiedlichen Quellen schnell verarbeiten müssen
  2. während des Informationszugriffs beide Hände frei haben sollten
  3. in Echtzeit mit anderen Mitarbeitern über weite Entfernung zusammenarbeiten
Prädestiniert sind also Behördenmitarbeiter „im Feld“. Beispielsweise Polizisten, denen automatisch per Fahndungsliste gesuchte Personen angezeigt werden (Gesichtserkennung). Feuerwehrleute können auf einer Karte des Gebäudes den Weg zu ihren Kollegen im Haus sehen. Oder Chirurgen, die bei der Operation die beste Schnittposition oder Röntgen- und MRT-Bilder überlagert sehen können. Aber auch weniger heikle Anwendungsfälle sind denkbar: Beispielsweise arbeiten Teams besser zusammen und erreichen effizienter ihre Ziele, indem Mitarbeiter A das aufgenommene Bild von Mitarbeiter B in realtime angezeigt bekommt. So sieht A genau das, was B zurzeit im Blick hat (besonders hilfreich auch beim Support).
 
Auch aus Kundensicht ist der Einsatz von Augmented Reality in Behörden äußerst interessant. AR könnte die Akzeptanz von eGovernment-Anwendungen in der Bevölkerung durch ein besseres Nutzererlebnis und signifikante Mehrwerte steigern. So kann es in Zukunft möglich sein, dass ein Autofahrer vor nahenden Unfallschwerpunkten gewarnt wird (Daten aus Unfalldatenbanken). Gleichfalls kann er freie Parkplätze in der Nähe seines Ziels und die Route dorthin sehen (Daten aus Verkehrsüberwachungen). Im Falle von Unfällen kann automatisch Hilfe, angepasst an die Schwere des Unfalles, angefordert werden (Schnittstelle zu Rettungsleitstellen). Oder die Unfallbeteiligten können sich direkt per Checklisten darüber informien, was nun zu tun ist (Daten der Unfallversicherungen).
 
Noch spannender wird es in meinen Augen, wenn nicht nur die Behördendaten, sondern auch Daten über die derzeitige Lebenssituation des Users bekannt sind. Genau dann können den Bürgern nicht nur zur richtigen Zeit und am richtigen Ort Informationen angeboten werden, sondern darüber hinaus wären es auch genau die richtigen, nämlich für den Nutzer subjektiv interessanten Informationen. Und das, obwohl er gerade gar nicht aktiv danach gesucht hat. So könnte ein Arbeitssuchender bei einem Spaziergang durch die Stadt darüber informiert werden, dass aktuell in seiner Nähe und zu seinen Jobpräferenzen passende Stellen zu vergeben sind (sowohl Daten der Arbeitsagenturen als auch Daten zu den Lebensumständen). Doch woher sollen diese Daten stammen? Kein Nutzer wird diese manuell im Vornherein in die Datenbrille eingeben wollen. In einer ideal vernetzten Welt könnten die Informationen zum Status des Nutzers aus seinen vergangenen Behördeninteraktionen ermittelt werden. So wären beispielsweise nach der Nutzung von eGovernment-Services der Arbeitsagentur Informationen darüber bekannt, dass der Nutzer zurzeit auf Jobsuche ist und wo hier seine Präferenzen liegen.
 
Anwendungsfälle die Datenbrillen benötigen, sind jedoch – gerade aufgrund der noch horrenden Kosten der Brillen – eher ein Trend am Horizont. Es gibt jedoch AR-Lösungen, die auf Smartphones statt Brillen basieren und somit schneller umgesetzt werden können. Als eine einfach umzusetzende AR-Lösung würde es sich meiner Meinung nach anbieten, dass Behörden ihren Kunden Informationsbroschüren zur Verfügung stellen, die durch Videos angereichert sind (als Beispiel siehe Interactive Print) und dann per Smartphone gescannt werden können. Diese Broschüren könnten mit Hilfe von verlinktem Zusatzmaterial über die Services einer Behörde informieren, direkte Verbindungen zu den eGovernment-Lösungen im Internet oder zu sozialen Medien herstellen und vieles mehr. Besonders diese Verknüpfung zwischen der alten papierbasierten Welt und neuen digitalen Angeboten kann ein guter intuitiver Einstieg in die digitale Behördenwelt sein.
 
Ob sich schlussendlich die Datenbrillen als verlängerter Arm des Smartphone oder gar als Smartphone-Ersatz durchsetzen, wird sich zeigen. Bis dahin können erste Smartphone basierte AR-Lösungen in Behörden identifiziert und deren Akzeptanz bei den Kunden überprüft werden.
 
Was halten Sie vom Einsatz von Augmented Reality? Welche nutzenbringenden Lösungen können bereits heute ohne Einsatz von Smart Glasses mit Hilfe von Smartphones eingeführt werden? Welchen Nutzen sehen Sie in Ihrer Behörde durch den Einsatz von AR?

Über den Autor

Tim Piontek
Tim Piontek
Tim started at Capgemini in Berlin in 2013. In his current project, he is analyzing existing IT-Landscapes and designing new IT-Architectures of large scale systems. Privately, he aims at obtaining his pilot’s license in the near feature.

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