IT-Trends-Blog

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Automobilindustrie fährt (noch) ohne Cloud-Motor

Kategorie: Trends am Horizont
Groß, größer, Cloud: Laut einer Studie von Visiongain wird der Cloud-Computing-Markt im Jahr 2016 einen Wert von 240 Milliarden Dollar haben. Gartner prophezeit außerdem, dass mehr als 50 Prozent der weltweit 1000 wichtigsten Unternehmen bis 2016 sensible Kundendaten in der Public Cloud speichern werden. Solche Studien zeigen, dass der Cloud-Markt aus den "Kinderschuhen" heraus gewachsen ist und ab 2017 das dominante Geschäftsmodell sein wird. Andererseits zeigen die Zahlen, dass im Jahr 2017 500 der Top 1000 Unternehmen noch immer nicht in die Cloud migriert sind.

Viele dieser Spätzünder werden aus der Automobilbranche kommen, denn die Migration ihrer standortgebundenen Systeme in die Cloud hat für viele Automobilhersteller keine hohe Priorität. Forrester schätzt, dass im Jahr 2025 nur 40 Prozent der Automobilunternehmen auf die Cloud vertrauen. Anstatt standortgebundene Systeme in die Cloud zu migrieren, nutzen die meisten Automobilhersteller die Technik eher als Plattform für die Entwicklung neuer Services wie Infotainment oder als Möglichkeit, neue Kundendienste wie selbstparkende Fahrzeuge anzubieten.

Es gibt verschiedene Gründe, die die CIOs in Automobilunternehmen davon abhalten, ihre Altsysteme in die Cloud zu migrieren. Hier findet Ihr einige Faktoren, die den Wechsel erschweren:
  • Kompatibilität: Die Automobilhersteller und deren Händlernetzwerke arbeiten mit einigen unvereinbaren Systemen. Die IT-Altsysteme sind sehr komplex und das Implementieren einer weiteren Technologie würde die IT-Landschaften noch mehr belasten. Als Beispiel: Ein Autohersteller hatte 80 Systeme von 18 Händlern installiert, die alle unterschiedlich konfiguriert waren, um regionale Präferenzen widerzuspiegeln. Eine Harmonisierung dieser Datenmodelle und -prozesse, sodass sie in eine einzige Cloud migriert werden können und trotzdem noch Schnittstellen zu den Altsystemen haben, ist eine Herausforderung.
  • Policy: Einige Autohersteller sind an strenge Richtlinien und Verfahren gebunden, die ihnen die Nutzung der Cloud für zahlreiche Funktionen untersagen. Bei dem konkreten Fall eines Automobilunternehmens würde die Sicherheitszertifizierung zur Nutzung der Cloud-Lösungen mehr als ein Jahr dauern.
  • Gesetze: In einigen Ländern verbietet die Gesetzgebung, bestimmte Daten in der Cloud zu speichern.
  • Kosten: Die Kosten, die in Altsysteme investiert wurden, sind oft sehr hoch und in den meisten Fällen müssen die Autohersteller nur noch die Verwaltungskosten übernehmen. Eine neue Cloud-Lösung heißt auch gleichzeitig zusätzliche Betriebskosten, die die Autohersteller aber zurzeit eher kürzen möchten. Die Betriebskosten einer Cloud-Lösung sind nach drei Jahren meistens höher als die der standortbasierten Systeme. Eine Autofirma hat ihr aktuelles standortgebundenes System vor sieben Jahren erworben und muss nun weniger als 100.000 Euro im Jahr an Betriebskosten zahlen. Eine Migration dieser Systeme in die Cloud würde mehr als 400.000 Euro kosten und weitere 200.000 Euro im Jahr für Benutzerlizenzen und Verwaltungskosten.
  • Beobachtbarkeit: Es gibt nur wenige Erfolgsgeschichten, die die Automobilhersteller und die Händlernetznetze dazu motivieren, ihre standortgebundenen Systeme in die Cloud zu migrieren. Cloud-Spezialisten versprechen zwar mehr Flexibilität, Agilität, Benutzerakzeptanz und Innovation, allerdings sind die Auswirkungen auf das Geschäft nur schwer zu prophezeien und müssen noch weiter überprüft werden. Einige Autohersteller haben uns erklärt, dass die wenigen Cloud-Projekte, die sie tatsächlich umgesetzt haben, nur Schattenprojekte waren und von einzelnen Abteilungen finanziert wurden. Diese Abteilungen haben uns dann mittgeteilt, dass die Cloud die Produktivität und Agilität verbessert hat, allerdings konnten sie die Ergebnisse nicht quantifizieren.
  • Übertragbarkeit: Autoherstellern und Händlernetzwerken fehlt häufig das entsprechende Know-how, um Cloud-Lösungen zu entwickeln, zu implementieren und zu verwalten. Die IT-Teams bestehen außerdem oft aus Veteranen, die nur die Altsysteme kompetent bedienen können. Außerdem ist es oft zu teuer, (neue) Cloud-Expertise zu entwickeln oder zu erwerben. Outsourcing ist zwar eine Option, allerdings fürchten viele Automobilunternehmen dadurch die Kontrolle zu verlieren.
Für all diese Probleme existieren natürlich bereits Lösungen, auf welche ich in einem kommenden Beitrag eingehen werde. Wie ist es in Ihrem Unternehmen? Sind Sie bereit für die Cloud? Ich freue mich auf ihre Kommentare.

Über den Autor

Michael Capone

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