IT-Trends-Blog

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Agil bedeutet nicht immer schnell

Kategorie: Trend-Anatomie
CIOs dürfen heute nur noch selten blühende Anwendungslandschaften auf der grünen Wiese errichten. Meist geht es darum, Applikationen mit unterschiedlichen Datenmodellen und heterogenen Prozesses zu einheitlichen Ende-zu-Ende-Systemen zusammenzufügen. Klingt vertraut? Ja, denn das spart Kosten und erhöht die Transparenz und Verlässlichkeit, was sich wiederum in höherer Kundenzufriedenheit niederschlägt. Und natürlich muss das schnell gehen.

Aber was passiert, wenn sich die beteiligten Fachabteilungen in endlose Diskussionen verstricken, welcher der bestehenden Prozesse nun der Richtige ist und welche Daten an welche Stelle gehören? Agile Methoden eignen sich besonders gut, um auf sich ändernde Anforderungen zu reagieren. Was aber, wenn Agilität missbraucht wird, um Designentscheidungen immer wieder hinauszuzögern? Entweder verzögert sich der Start der Implementierung oder bereits implementierte Teile werden in folgenden Sprints wieder verändert. Beides kostet bereits in frühen Phasen des Projekts wertvolle Zeit. Es gilt, Verbindlichkeit ins Design zu bringen, sowohl was die Einhaltung der Termine als auch die Stabilität des Ergebnisses angeht.
 
Wir setzen hier sehr erfolgreich eine Methode ein, in der die Arbeit am Detailed Design in zeitlich festen Zyklen stattfindet, nach folgendem Muster:
 

 
Die Einhaltung der Zeiten ist zwingend vorgegeben, alle Designentscheidungen, die nicht im vorgegebenen Rahmen getroffen werden können, müssen auf den nächsten Zyklus verschoben werden. Am Ende eines jeden Zyklus steht ein formales Sign-off der Fachseiten.
  1. Vorbereitung durch das Realisierungsteam, in dem die zu erarbeitenden Teile des Designs festgelegt werden und die Dokumente für das Design angelegt werden.
  2. Vorbereitung durch die beteiligten Fachseiten, in der die Dokumente soweit wie möglich vervollständigt werden.
  3. Ein ganztägiger Workshop im gesamten Team mit Durchsprache der Dokumente.
  4. Nacharbeit durch das Realisierungsteam, Einarbeitung der Ergebnisse aus dem Workshop.
  5. „Playback“ Session (½ Tag) mit erneutem Durchgang der Dokumente im gesamten Team. Prüfung, ob alles richtig verstanden wurde.
  6. Finalisierung der Dokumente.
  7. Review und Approval durch die Fachseiten.
 
Jeder Zyklus dauert zwar etwas mehr als zwei Wochen, kann aber im 2-Wochen Rhythmus stattfinden, wobei sich die ersten beiden Tage des neuem Zyklus mit den letzten beiden des Alten überschneiden:


 
Und nicht nur das, auch zwei parallele Design Streams sind möglich, ohne dass auf den Fachseiten Parallelarbeit notwendig wird. Lediglich der halbe Tag Playback Session überschneidet sich mit der Vorbereitung im parallelen Stream.
 
 
 
Mit dieser Methode haben wir es bei unserem Kunden Vodafone geschafft, ein System zur  einheitlichen Abwicklung aller Geschäftskundenanfragen – Bestellungen und Informationsanfragen, die vorher von verschiedenen Abteilungen unabhängig bearbeitet wurden – innerhalb von 4 ½ Monaten bis zum Go-Live zu implementieren. Dies konnten wir nur dadurch schaffen, dass die Implementierungsphase mit 3 Entwicklungssprints bereits nach knapp 3 Monaten abgeschlossen werden konnte. In jeden Sprint flossen 2 Designzyklen ein.
 

 
Es war am Anfang nicht leicht, die am Design Beteiligten auf die Einhaltung der Termine einzuschwören. Vor allem mit der formalen Abnahme der Dokumente haben sich die Fachseiten sehr schwer getan. Aber auch dort war der Termindruck zu spüren und wir konnten immer wieder klar machen, dass diese Terminleiste unbedingt notwendig für den Gesamtterminplan ist.
Auch der Reflex, Entscheidungen auf spätere Zyklen zu verschieben, ist natürlich stark ausgeprägt. Hier ist eine gute Moderation gefragt und vor allem Puffer nach hinten. Wir hatten für die ersten beiden Sprints jeweils ca. 40 Prozent des Aufwands geplant. Am Ende verteilte sich der Aufwand durch Verschiebungen in drei gleiche Teile.

Über den Autor

Andreas Lampen
Andreas Lampen
Wir sind erfolgreich, wenn unsere Kunden erfolgreich sind. Mich treibt immer die Frage: Wie kann die IT erfolgreich das Business unterstützen? Dazu ist es wichtig, zu verstehen wohin die Reise geht. Denn wir bauen die IT für das Business von morgen und nicht nur für das von heute.

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