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Agile Methoden: Was trennt Entwicklung und Betrieb?

Kategorie: Trends des Monats
Agile Methoden setzen sich immer weiter durch, keine Frage. Um Software zu entwickeln, die die richtigen Funktionalitäten mit niedrigem Aufwand bei Pflege und Wartung vereint, arbeiten Entwicklung, Betrieb und Fachabteilung enger zusammen – das ist in meinen Augen absolut begrüßenswert. Zwischen Fachabteilung und Entwicklung funktioniert die Zusammenarbeit inzwischen relativ reibungsfrei. Wie Sie vielleicht in Ihrem Unternehmen auch erleben, hinkt die Einbindung des Betriebs aber noch hinterher: Die Ergebnisse der IT-Trends-Studie 2015 zeigten, dass derzeit in nur knapp 60 Prozent der Unternehmen der IT-Betrieb kontinuierlich in Entwicklungs- und Customizing-Prozesse einbezogen wird, während die Fachabteilung in fast 72 Prozent der Unternehmen dabei ist.
 
Was sind die Gründe? Einer ist der fundamentale Zielkonflikt bei der Zusammenarbeit zwischen „Dev“ und „Ops“: Während die Entwicklung Veränderungen umsetzen will, muss der Betrieb Verfügbarkeit und Stabilität sicherstellen. Besonders gerne kocht dieser Zielkonflikt unter Zeitdruck hoch: wenn zum Beispiel ein wichtiger Patch eingespielt werden muss, der ein Business-Problem behebt. Die Entwicklung will das Problem schnell lösen, denn schließlich hat sie auch schnell entwickelt, während der Betrieb erst einmal prüfen muss, ob und welche Risiken es gibt, und das braucht Zeit. Weil Veränderungen der Produktionsumgebung generell als Unsicherheitsfaktor empfunden werden, versucht der Betrieb sie möglichst zu vermeiden oder zumindest in wenigen großen Releases zu bündeln. Denn schließlich ist es seine Aufgabe dafür zu sorgen, dass alles läuft und nicht am Ende stillsteht.

Solche Situationen gibt es jeden Tag. Insbesondere seitdem die Entwicklung iterativer und mit kürzeren Releasezyklen arbeitet, wird es für den Betrieb immer schwerer mitzukommen. Es sei denn, er zieht gleich und nutzt ebenfalls agilere Methoden mit höherer Automatisierung. Aber auch das löst noch nicht das Grundproblem: den Zielkonflikt.

Um ihn auszuräumen, müssen sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und das Operations-Konzept grundsätzlich überdenken. Es gilt abzustimmen, wie der Release-Prozess beschleunigt werden kann, ohne unkalkulierbare Risiken zu verursachen. Dabei müssen auch etablierte Grundüberzeugungen auf den Prüfstand. Beispielsweise zeigt sich in der Praxis häufig, dass viele kleinere Releases bei geeigneten Prozessen das Risiko senken und keinesfalls erhöhen.

In den allermeisten Fällen ist der Einsatz von Werkzeugen zur Beschleunigung des Deployments sinnvoll. In der Praxis noch wichtiger ist aber, die Prozesse zu überdenken und vor allem die Einstellung aller Beteiligten auf das gemeinsame Ziel auszurichten. Kaum eine Organisation wird in der Lage sein, von heute auf morgen zum Continous Deployment mit mehreren täglichen Releases überzugehen – eine signifikante Beschleunigung ist aber fast immer möglich. Es geht darum, eine gute Lösung im Spannungsfeld von Kosten, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit zu finden, und die kann für jedes Unternehmen anders aussehen.

Im Zuge dieser Veränderungen muss auch über Organisation nachgedacht werden. Ist die Trennung zwischen Entwicklung und Betrieb wirklich notwendig und sinnvoll? Wahrscheinlich wird sich auch die Leistungsbewertung verändern müssen, denn nur abteilungsübergreifende Metriken werden dafür sorgen, dass alle an einer guten Zusammenarbeit interessiert sind. Das wird auf jeden Fall eine Umstellung, aber schließlich hat sich die Zusammenarbeit zwischen Fachabteilung und Entwicklung in den letzten Jahren ja auch stark verbessert, indem mehr Verständnis für die Probleme des jeweils anderen geschaffen und gemeinsam eine Lösung gefunden wurde, die sich an den Zielen des Unternehmens orientiert. Am Ende geht’s also darum, miteinander zu reden, zu entscheiden und dann zu handeln. Ganz analog. 

Über den Autor

Stefan Sack

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