IT-Trends-Blog

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Mit Enterprise Architecture Management fit fürs Internet of Things

Kategorie: Trends des Monats
Aktuell Trends wie Fitnessarmbänder sind die ersten Boten einer neuen Entwicklungswelle der IT, dem Internet of Things (IoT). Im erwachsenden IoT werden miniaturisierte Computer in Alltagsgegenstände eingebettet. Gartner prognostiziert, dass bis 2020 etwa 26 Milliarden sogenannte Smart Connected Things existieren werden – dreimal mehr als Tablets und PCs zusammen. Der Management-Papst Porter prophezeit Einflüsse auf sprichwörtlich jede Branche. Für Unternehmen ist es entscheidend, entstehende Trends frühzeitig zu erkennen und deren Nutzen für die eigene Organisation richtig einzuschätzen. Wir Unternehmensarchitekten können dabei als Katalysatoren fungieren, indem wir für die Geschäftsziele angemessene Nutzungsmöglichkeiten für innovative Technologien finden und bewerten. In unserer Rolle stehen wir in engem Austausch mit den Kollegen aus dem Geschäft, verstehen die IT und haben das große Ganze im Blick. Damit können wir wichtige Impulse setzen und Geschäft sowie IT weiterentwickeln.

Dafür ist es aber notwendig, dass sich das Enterprise Architecture Management (EAM) wandelt. EAM übt heute in vielen Unternehmen eine eher passive Funktion aus und ist auf die technische Dokumentation der Anwendungssystemlandschaft ausgerichtet. Der Einflussbereich von Unternehmensarchitekten endete an den Grenzen der IT-Abteilung. John A. Zachman vergleicht den gemeinen Unternehmensarchitekten mit einem Röntgentechniker, der nur Bilder des kranken Körpers anfertigt. Besser sollte er aber als Arzt fungieren, Diagnosen stellen und Heilmaßnahmen einleiten. Dies geht im bevorstehenden Internet der Dinge aber noch nicht weit genug: Als „Arzt“ kann der Unternehmensarchitekt bereits erkennen, welches immense Potenzial in den technischen Entwicklungen steckt, die sich aktuell in Trends wie Fitnessarmbändern manifestieren. Er kann Handlungsempfehlungen aussprechen und maßgeblich zur langwährenden Gesundheit seines Patienten beitragen. Aus meiner Sicht kann EAM noch viel mehr. Wenn EAM als Body Shaper oder Personal Trainer agiert, kann es den Wunschkörper des Klienten formen und ihn auf dem Weg dorthin aktiv begleiten.

Deswegen würde ich Unternehmen ein Fitnessprogramm verordnen, das sie für das aufkeimende Internet of Things wappnet. EAM sollte in meinen Augen Technologien nur dann Bestandteil der Unternehmensarchitektur werden lassen, wenn sie für das Geschäft wertvoll sind. Sinnvoll ist hier ein Top-Down-Vorgehen:
  1. Ausgehend von der Geschäftsstrategie priorisieren Unternehmensarchitekten gemeinsam mit dem Senior Management Geschäftsfelder nach Wertbeitrag für das Unternehmen und zukünftigem Veränderungsbedarf. Mit Kenntnissen branchenspezifischer und -übergreifender Technologie-Trends liefern wir zudem einen wertvollen Beitrag für die inhaltliche Ausgestaltung der Geschäftsmodelle.
     
  2. In den hoch priorisierten Geschäftsfeldern werden mögliche Nutzenpotenziale entlang der Geschäftsziele und -aktivitäten bestimmt. Dabei wird die Anwendung aktuell oder in naher Zukunft verfügbarer IoT-Technologien in den Geschäftsprozessen diskutiert.
     
  3. In Zusammenarbeit mit den Fachbereichen erfolgt eine Konkretisierung und Bewerbung der erarbeiteten Potenziale. Konkrete IoT-Technologien werden mit den Fachbereichen diskutiert.
     
  4. Umbaumaßnahmen der Unternehmensarchitektur, die nutzbringende IoT-Technologien in die bestehende Anwendungslandschaft integrieren, werden nun abgeleitet und bewertet. Die Änderungen können dann in den Fachbereichen und der IT durchgesetzt werden.
Es reicht aber nicht aus, diese Schritte einmalig und starr von oben nach unten zu durchlaufen. Träge Entscheidungszyklen sind schon heute ein Hauptgrund dafür, dass zahlreiche Unternehmen erst verspätet auf technische Innovationen reagieren. Erst durch kurze Iteration entstehen durchgängige Rückkopplungsschleifen vom strategischen Management zur technischen und fachlichen Basis. Anstatt kurzfristigen Trends hinterherzulaufen, können Unternehmen so treffsicher sondieren, welche Technologien ihrem Geschäft einen wirklichen Nutzen bringen. Dies verhindert eine Orientierung an einzelnen Features und einen unkontrollierten Wildwuchs der Anwendungslandschaft. So ausgerichtet, generiert EAM einen spürbaren Mehrwert, schafft  Raum für Innovationen und gestaltet IT sowie Geschäft – anstatt nur technische Dokumentation zu erzeugen. Wie auch schon bei den vergangenen Entwicklungswellen der IT, bieten sich zahlreiche Chancen. Gerade Unternehmensarchitekten sind in der Lage, sie zu erkennen, zu bewerten und ihre Umsetzung in die Hand zu nehmen. Unternehmensarchitekten sollten sich deshalb im Zentrum der anstehenden dritten Entwicklungswelle der IT positionieren. An dieser Stelle können sie maßgeblich dazu beitragen, dass Unternehmen nicht von ihr überrollt werden.

Wie sollte Ihrer Meinung nach eine Organisation aufgestellt sein, um nicht vom Internet of Things überrollt zu werden? Diskutieren Sie mit.

Über den Autor

Manuel Breu
Manuel Breu
Manuel Breu ist Unternehmensarchitekt bei Capgemini in Deutschland. Er beschäftigt sich über Branchengrenzen hinweg mit Enterprise Architecture Management, innovativen Geschäftsmodellen und Technologien.

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