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IAA: Killer-App für Connected Car nicht in Sicht

Kategorie: Trends des Monats
Noch vor zehn Jahren war die IAA in Frankfurt die Leitmesse für die Automobilbranche – weltweit. Inzwischen verkünden die Hersteller ihre major anouncements zu neuen Geschäftsmodellen wie „connect me“ von Mercedes lieber auf der CES – nicht wenige der Keynotes in Las Vegas sind inzwischen mit Autoherstellern besetzt, getreu dem Motto „just another device“. Die neuen Modelle werden dagegen eher auf „kleinen“ Messen oder in China vorgestellt. Allein im Reich der Mitte gibt es zwei Leitmessen und weitere lokale Branchentreffs, insgesamt sind es sicher zehn – jedes Jahr.

Meine letzte IAA ist inzwischen vier Jahre her, da ich zwischenzeitlich unsere Erfahrung mit deutschen Herstellern in China eingebracht habe. Damals war die IAA stark auf das Volume Segment  und die Zulieferer ausgerichtet, aber auch Software-Lösungen wurden vorgestellt. Das Selbstverständnis der Messe entsprach einer weltweiten Branchenshow. Heute verteilt sich das interessierte Publikum auch auf andere Messen. Die IAA ist ein Spiegel der Automobilbranche, die sich im Moment stark verändert: Am spannendsten für mich sind weniger die Modelle in Spiegellack oder die Stände der großen Hersteller (hier eine Vorschau auf dem BMW Blog). Viel faszinierender für mich sind einige der trendigen Zulieferer, denn inzwischen kommen die meisten Innovationen von Zulieferern und Partnern der OEMs.
 
Verändertes Kundenverhalten, neue Geschäftsmodelle, neue Player
In der Branchen verschieben sich zurzeit die etablierten Produkte und Strukturen. Insbesondere die junge Generation fragt verstärkt Mobilitätsdienstleistungen nach. Es steht nicht mehr alleine das Fahrzeug im Fokus, sondern es geht um das gesamte Eco-System. Mehr und mehr Zulieferer konzentrieren sich nicht nur mehr auf Reifen oder Einspritzpumpen, sie bauen ihr Portfolio immer weiter aus und sammeln immer mehr Daten ihrer End-Kunden, sprich Fahrer. Durch immer intensivere Datennutzung der vernetzten Fahrzeuge entstehen riesige Datenmengen, die sich zu analysieren lohnen.
Die IT, mit Vernetzungsdiensten, Cloud Services und Big Data wird zum Dreh und Angelpunkt in der weiteren Digitalisierung der Automobilindustrie. Das Auto ist „just another device“, auch aus der Sicht der „Digital Natives“.
Wir sehen inzwischen sehr anspruchsvolle Applikationen die dem Fahrer echte Mehrwertdienste liefern und für die die Kunden auch bereit sind, zusätzliches Geld auszugeben, wie zum Beispiel diese drei:
 
a)     Die perfekte Route für mich
Für eine individuelle Routenoptimierung reichen nicht mehr die ursprünglichen Präferenzen wie „schnell / kurz“ oder „keine Mautstrassen“ aus. Heute werden die dynamischen Routen durch Wetter, Realtime-Verkehrsinformationen, Car2Car-Informationen und zusätzliche „local based services“ neu und dynamisch definiert.
 
b)    Follow your friends
Chinesen nutzen die Kommunikations-App „WeChat“ wie die Deutschen ihr Whatsapp – immer und überall. Damit kann man allerdings nicht nur chatten oder videotelefonieren, asiatische Autofahrer organisieren gleich ihre Konvois damit, die eigene Route wird ganz einfach an einer definierten Freundesgruppe ausgerichtet.
 
c)     Location based services
Mein Auto kennt mich und weiß, dass ich nach zwei Stunden gern eine Kaffeepause einlege – entweder an einer Raststätte auf dem Weg oder einer Fastfood-Kette meiner Wahl. Als interessierter Kunde bekomme ich Aktionsangebote mit automatischer Zielführung und Parkplatzreservierung in mein Fahrzeug gespielt, bei Bedarf auch gleich noch eine Ladestation für ein eCar reserviert. Diese Funktionen sind nicht nur Apps, die neu in den Android- oder iTunes-Stores stehen, dahinter stecken ganze Geschäftsmodelle. Lange werden die Autofahrer nicht mehr herumkommen um die Frage, ob sie lieber werbefinanzierte Modelle oder Abos für ihre Connected Features akzeptieren.

Die Automobilbranche hat lange nach der Killer-App gesucht, mit der sie das vernetzte Auto endlich dem Massenmarkt schmackhaft machen kann. Aber diese eine App wird es nicht geben. Eher sehen wir eine Reihe digitaler Geschäftsmodelle, wie Google und Apple sie uns bereits vorleben.
 
Ich bin gespannt, was sich in den vergangenen vier Jahren getan hat auf der IAA 2015. Vielleicht sieht man sich auf der Messe – melden Sie sich gern via Twitter oder Kommentar bei mir, am Dienstag stelle ich unsere Cars Online 2015 Studie dort vor.

Über den Autor

Andreas Hein

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