IT-Trends-Blog

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CIOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz: weniger trendbewusst, dafür nachhaltiger?

Kategorie: Trend-Wende
Als der Cloud-Hype begann und wir in der IT-Trends-Studie zum ersten Mal die Nutzung der Cloud im deutschsprachigen Raum ermittelten, mussten wir uns die Augen reiben, denn die Quoten waren im internationalen Vergleich sehr gering. Das änderte sich zwar in den folgenden Jahren, dennoch nutzen CIOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich weniger Cloud Services als beispielsweise ihre Kollegen aus Großbritannien oder den USA. Heißt das, das CIOs im deutschsprachigen Raum nicht so innovationsfreudig sind? Oder evaluieren sie so lange, bis sie den Trend verschlafen haben? 
 
Eine im Sommer erschienene Studie von IDG Business Media widerlegt diese These. Sie untersuchte den Status quo in der Softwareentwicklung. Im Auftrag des niederländischen PaaS-Providers Apprenda wurden 270 IT-Manager in Großbritannien, den Benelux-Ländern, Skandinavien und der DACH-Region befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass CIOs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in vielen Bereichen deutlich weiter sind, als ihre britischen Kollegen: Sie haben insgesamt weniger Alt-Anwendungen im Einsatz und dementsprechend auch weniger Probleme mit alten Programmiersprachen. In der Softwareentwicklung arbeiten sie intensiv mit agilen Methoden, jetzt geht es darum, auch die Inbetriebnahme agiler zu machen. Auch bei der Automatisierung und dem effizienten Rechenzentrumsbetrieb sind sie weiter. Lediglich in den Bereichen, in denen die Cloud große Geschwindigkeitsvorteile bietet, liegen sie hinten. 
 
Es scheint also vielmehr so, dass CIOs im deutschsprachigen Raum nicht einfach auf jeden Zug aufspringen, sondern vorher sorgfältig abwägen, was ihnen eine neue Technologie tatsächlich bringt – und welche Probleme sie sich damit einhandeln könnten. Darüber hinaus scheinen sie kontinuierlicher Innovationen auf den Weg zu bringen und viele verschiedene Themen gleichzeitig zu bearbeiten, anstatt sich nur auf eine Sache zu konzentrieren. 
 
Und selbstverständlich ist es verlockend, gleich ganz auf die Cloud umzusteigen, wenn man viele Legacy-Anwendungen betreiben muss, wie beispielsweise die Briten. Wenn man kontinuierlich in die Erneuerung der Anwendungslandschaft investiert hat, ist man viel eher in der Lage, Applikationen überall und auf allen Endgeräten zur Verfügung zu stellen. Der Druck so schnell wie möglich komplett auf die Cloud umzusteigen ist also deutlich geringer.
 
Ein Ergebnis fand ich übrigens auch noch sehr interessant: Laut der Studie wird Individualsoftware trotz vielfältiger SaaS-Angebote ihre Attraktivität wohl nicht verlieren. Sprich: Die in den Anwendungen abgebildeten individuellen Prozesse sind offenbar so entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit, dass nach wie vor fast niemand darauf verzichten möchte oder kann. Allerdings sollen in Zukunft auch Individualanwendungen cloud-fähig sein, darin waren sich die Teilnehmer der Studie einig. 
 

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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