IT-Trends-Blog

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„Smart“ macht uns wahnsinnig

Kategorie: Trend Industrie 4.0

Der Trend ist klar: Smart ist in. Derzeit gibt es 4 Milliarden konnektierte Dinge wie Smartphones, Wearables, Haushaltsgeräte, Autos und Maschinen. Diese Zahl soll nach Gartner im Jahr 2020 bei ca. 25 Milliarden liegen. Um sich aus dem Trend Wettbewerbsvorteile zu schaffen, investieren viele Hersteller in der Entwicklung von neuen Smart Services. Der Kunde soll nicht nur ein Haushaltgerät kaufen, er soll zusätzliche Dienste zur Überwachung und Steuerung seiner intelligenten Dinge bekommen. Das hört sich toll an, aber hinter diesen neuen Services verbergen sich komplexe Systeme, die das Leben der Nutzer wahnsinnig kompliziert machen können.

Um die Hoheit über die Daten zu bewahren, sind diese Systeme oft hersteller- und manchmal sogar produktspezifische Silo-Lösungen. Das heißt, ein Nutzer, der zehn smarte Dinge hat, braucht zehn Apps, um sie zu steuern. Diese Daten werden in zehn separaten Datenbanken gespeichert und von zehn verschiedenen Analytics-Programmen ausgewertet. Diese Silos verursachen viele Probleme für Verbraucher und Unternehmen, verringern die Usability und bremsen die Adoption von smarten Dingen und Industrie 4.0. Dazu kommt, dass diese smarten Dinge viel mehr kosten als normale dumme Dinge. Das erscheint wahnsinnig.

Es wird Kompromisse, Gewinner und Verlierer geben

Innovative Firmen haben die oben beschriebenen Probleme früh erkannt, verschiedene Kommunikationsprotokolle gesammelt und sogenannte Smart Gateways entwickelt. Solche Gateways werden am WiFi Router angeschlossen, fangen die Daten aus zahlreichen intelligenten Dingen schon in der Wohnung oder im Werk ab und leiten die Daten in eine einzelne Datenbank, wo sie konsolidiert werden. Auf dieser Datenbank sitzt eine Analytic-Software, und die Dashboards für alle Dinge werden in einer App abgebildet. Sogar die Bedienung von zahlreichen Geräten kann in dieser App durchgeführt, verlinkt und auch korreliert werden. Zum Beispiel ist es mit solchen Gateways möglich, den Sony Fernseher lauter zu stellen, sobald der AEG Staubsauger angeschaltet wird. Es gibt Gateways für den Verbraucher von Firmen wie dem Start-up IOLITE, die einen selbst-provisionierenden Gateway anbietet. Für den Industrie-Kunde gibt es robuste Gateways, die bis zu 70 Maschine-zu-Maschine Protokole erkennen. Mit solchen Gateways unterbricht man komplett den Datenstrom zum Hersteller und macht dessen App nutzlos. Den Datenstrom komplett abzuleiten ist für Kunden die einfachste und schnellste Lösung, kann aber unerwünschte Konsequenzen haben: denn ohne Daten kann der Hersteller viele wertvolle Services, wie Preventive Maintenance, nicht mehr anbieten.

Eine andere Option ist, erst auf der Datenbankebene zu integrieren. In diesem Fall muss der Hersteller Zugang zur Datenbank gewähren, damit die Betriebsdaten ausgelesen werden können. Nachdem diese für alle Maschinen in einer Fertigungsstraße zur Verfügung stehen, können Beziehungen zwischen Einstellungen, Benutzung, Produktqualität, Sicherheit, und Produktivität erstellt und in einer App abgebildet werden. Somit können Produktionsleitung und auch Arbeiter schneller Entscheidungen treffen. Der Hersteller bekommt weiter die Daten, die er braucht, um seine Services anzubieten, kann aber nicht über seine App mit dem Kunden kommunizieren.

Auch für die Hersteller gibt es Lösungen, um die Datenhoheit zu bewahren und Kunden zufrieden zu stellen. Die einfachste Option ist es, offene Systeme anzubieten: „Lass die Kunden die Daten abgreifen ohne die Daten komplett abzuleiten.“ Somit hat der Hersteller die Info, die er braucht, um seine Produktentwicklung zu steuern, um Kunden zu verstehen, und um individuelle Angebote zu gestalten, hat aber keine proprietäre App um mit dem Kunden zu kommunizieren, muss also einen anderen Kanal nutzen um seine Angebot zu liefern. Alternativ können mehrere komplementäre Hersteller im Haushaltsbereich für Unterhaltung, Küchengeräten, Gesundheit und Sicherheitssysteme ein gemeinsames Gateway sowie konsolidierte Apps anbieten und so das SmartHome formen. Im Industriebereich könnten Hersteller für CNC Maschinen, 3D Drucker, Roboter, Gabelstapler, Förderanlagen, Fahrzeuge, und Werkzeug zusammenarbeiten, um ein SmartFactory realisierbar zu machen.

Von einer Revolution kann man aber noch nicht reden, denn es wird Jahre dauern, bis wir eine Lösung für den Smart-Home oder Smart-Factory Wahnsinn gefunden haben. Wir sind am Anfang einer Smart Evolution und diese Entwicklung wird schmerzhaft für manche sein, denn es gibt viele gegenseitige Interessen, die geschont werden müssen. Zurzeit ist der Kunde, insbesondere die Early Adopters, der Verlierer, denn SmartHome und SmartFactory bleiben erst mal nur Visionen. In der Zukunft werden die Hersteller große Kompromisse machen müssen, um überhaupt mitspielen zu dürfen. Denn der Hersteller, der in zehn Jahren immer noch eine Insel-Lösung und proprietäre Apps anbietet, wird nicht mehr relevant sein.

 

Über den Autor

Michael Capone
Die Systemübergreifende Vernetzung von Smarten Geräten birgt aber auch Risiken. Viele Geräte haben Lebenszeiten > 10 Jahre. Während dieser Zeitspanne muss der Hersteller seine Software in diesen Geräten immer wieder auf Sicherheitsmängel überprüfen und aktualisieren. Das bei Produktzyklen von oftmals wenigen Monaten. Heute wird dieses von vielen Herstellern sträflich vernachlässigt. Beispiel Android Handy: Google liefert schnellstmöglich seine Sicherheitspatche. Die einzelnen Handyhersteller liefern diese oftmals verspätet oder auch nie aus. Es wäre bestimmt ein erfrischendes Erlebnis bis man erkannt hat dass der Fernseher immer um Mitternacht die Heizung ausschaltet.

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