IT-Trends-Blog

IT-Trends-Blog

Opinions expressed on this blog reflect the writer’s views and not the position of the Capgemini Group

IT-Trends 2016: Digitalisierung ohne Innovation?

Kategorie: Digitale Trends

Die Digitalisierung in Deutschland, Österreich und der Schweiz läuft auf Hochtouren: Sie ist für rund 52 Prozent der CIOs eines der wichtigsten Ziele des Jahres. Wir hatten erwartet, dass dementsprechend mehr für Innovation ausgegeben wird. Die Ergebnisse der neuen IT-Trends-Studie zeigen aber, dass genau das Gegenteil passiert: Sowohl die Ausgaben für Ersatz und Neugestaltung von IT als auch die für die Evaluierung von Innovationen sinken in diesem Jahr. Wie passt das zusammen?

Unter Digitalisierung verstehen manche ja lediglich das Überführen von Papier-Prozessen in digitale Abläufe. Für diese so genannte „Elektrifizierung“ wäre möglicherweise gar nicht so viel Innovation erforderlich. Trotzdem müssten sich diese Maßnahmen in den Budgets für Ersatz und Neugestaltung niederschlagen, denn für die Überführung von Papier-Prozessen in digitale Abläufe benötigt man auf jeden Fall Software und möglicherweise auch mehr Hardware.

Außerdem hatten wir Digitalisierung in der Befragung definiert, um Missverständnisse auszuschließen. Danach ist Digitalisierung die Erfassung und Abbildung der Welt in digitaler Form, um Informationen und Prozesse zu vernetzen und auf dieser Basis neue Produkte und Services zu erstellen. Geht man von diesem Verständnis von Digitalisierung aus, führt sie zwangsläufig zu Innovationen.

Bei der tiefergehenden Analyse der Studienergebnisse stellte sich dann heraus, dass es derzeit gar keinen Zusammenhang zwischen dem Innovationsbudget eines Unternehmens gibt und der Bedeutung, die es der Digitalisierung bemisst. Sprich, wem Digitalisierung wichtig ist, der gibt nicht automatisch mehr Geld für Innovationen aus. Auf der Suche nach einer Erklärung sind wir aber auf einen anderen interessanten Zusammenhang gestoßen: Die Bedeutung der Digitalisierung für ein Unternehmen korreliert mit der Big-Data-Nutzung: je wichtiger, desto mehr Big-Data-Anwendungen in Betrieb und umgekehrt. Das führte zu der Erkenntnis, dass im Rahmen der Digitalisierung im Moment offenbar hauptsächlich Informationen vernetzt und analysiert werden.

Was ist der Grund? Wahrscheinlich fehlt es vielen Unternehmen noch an Ideen für neue Geschäftsmodelle, Produkte oder Services. Denn diese liegen meistens fernab des angestammten Geschäftsbereiches und erfordern nicht nur Umdenken, sondern auch neue Strukturen. So wird beispielsweise ein Hersteller von Aufzügen und Fahrtreppen zum Anbieter von Systemen für die Steuerung des Besucher- und Mitarbeiterstroms in Gebäuden. An diesem Beispiel sieht man, dass der Weg vom alten zu einem neuen Geschäftsmodell zum einen die entsprechenden Daten und zum anderen viel Kreativität verlangt. Da sich solche Vorhaben nicht von heute auf morgen umsetzen lassen, wird es also wahrscheinlich noch ein wenig dauern, bis die Digitalisierung zu Innovationen auf breiter Front führt.

Diese und weitere spannende Erkenntnisse finden Sie in der IT-Trends-Studie 2016, die Sie sich hier herunterladen können. Einen Überblick gibt Ihnen die Infografik. Spannend fände ich natürlich auch, was Sie über diese oder andere Ergebnisse denken. Nutzen Sie dafür die Kommentarfunktion oder schreiben Sie mir eine E-Mail

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * gekennzeichnet.