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Kognitives Computing: Eine neue Ära der Entscheidungsfindung bricht an

Kategorie: Trend Industrie 4.0

Kognitives Computing ist das nächste große Ding in der IT-Welt. Und zwar nicht nur in der Big-Data-Sphäre, sondern auch darüber hinaus. Die Vorzüge und Schattenseiten des kognitiven Computing werden in TV, Zeitungen, Magazinen und Blogs heiß diskutiert: Was wird kognitives Computing bringen? Welche Effekte wird es auf unsere Jobs haben und wie werden wir Entscheidungen treffen? Aber was ist kognitives Computing eigentlich und wie können wir es im Unternehmen nutzen?

Kognitives Computing verändert komplett die Art und Weise, wie Systeme erstellt werden und mit Menschen interagieren. Kognitionsbasierte Systeme, wie etwa IBM Watson, können Wissen sammeln und lernen, verstehen natürliche Sprache und Vernunft. Sie interagieren natürlicher mit Menschen als alle herkömmlichen Systeme.“

Was werden Sie mit kognitivem Computing tun?

Was kann man mit kognitivem Computing erreichen? Oder besser gefragt: Wie werden Sie kognitives Computing einsetzen? Lassen Sie mich zwei Beispiele vorstellen, die zeigen, wie Unternehmen die kognitiven Fähigkeiten von IBM Watson nutzen:

eyeQ ist auf digitale Präsentationen am Point-of-Sale spezialisiert: Das Unternehmen nutzt Watson, um seine Kunden bei der Produktauswahl zu unterstützen. Die Empfehlungen basieren auf dem Alter, dem Geschlecht und der Persönlichkeit des Käufers, die anhand von Twitter-Feeds analysiert werden.

Sellpoints hat festgestellt, dass 69 Prozent der Kunden Suchmaschinen nutzen, um Kaufentscheidungen zu treffen. Aber jeder zusätzliche Klick im Einkaufsablauf erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs. Dadurch dass sich das Unternehmen auf die Kaufabsichten konzentriert statt auf das einfache Matching von Schlüsselbegriffen, sinkt die Anzahl der Schritte im Einkaufsprozess und die Verkaufszahlen steigen.

Zusätzlich zu diesen Beispielen hat IBM dafür gesorgt, dass Watson in der Onkologie und im Gesundheitswesen eingesetzt werden kann. Dort hilft es Ärzten Diagnosen zu stellen und schlägt passende Therapiepläne vor. Schon bald wird es Anwälten dabei helfen, die passenden Gesetzestexte und Rechtsprechung für ihre Fälle zu finden. Watson kann Ihnen mit automatisierten Frage-und-Antwort-Applikationen dabei helfen, den Dialog mit Ihren Kunden zu verbessern.

All diese und auch andere Applikationen ziehen ihr Wissen aus unstrukturierten Dokumenten, Webseiten, Blogbeiträgen, Büchern und weiteren Quellen. Das bedeutet, dass Wissen systematisch aus verschiedensten Dokumentenarten gewonnen wird. Und auch, dass die Wissensbasis am Ende vollständig oder so vollständig wie möglich sein sollte. Das ist auch einer der Gründe, warum kognitive Produkte zunächst dort eingesetzt werden, wo die Vollständigkeit von Informationen essentiell ist, um Compliance zu erreichen. Und wo Wissen meist in Form von Dokumenten aufbewahrt wird. Medizin und Jura sind hierfür gute Beispiele.

Mit diesem reichen Wissensfundus und der Rechenleistung, die es ermöglicht, alle bekannten Informationen sofort abzurufen und auszuwerten, können Watson und andere kognitive Systeme lückenlosere und relevantere Antworten geben als jeder Mensch oder jede Suchmaschine es jemals könnte. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, überall dort, wo eine Internetverbindung vorhanden ist. Zurzeit stufen Onkologen die Computer-Expertise auf einem Level zwischen dem eines Assistenten und dem eines Fachkollegen ein. Doch Watson lernt im Einsatz ständig dazu und erweitert sein Wissen, so dass sich diese Beurteilung bald verbessern wird.

Bessere Entscheidungen

Computer können immer bessere Entscheidungen treffen, häufig sogar besser als der Mensch. Aber werden Menschen dies auch zulassen? Laut einer Studie des niederländischen Unternehmens Motivaction wollen 75 Prozent der Befragten selbst das Zepter in der Hand behalten, 20 Prozent können sich vorstellen, dass Computer einige Entscheidungen treffen und nur 5 Prozent würden alle Entscheidungen einem Computer überlassen.

Nur wenn wir erkennen und akzeptieren, dass Menschen fehlbar sind und von Natur aus nicht alles wissen können, werden wir von dieser neuen Art des Computings profitieren. Experten wissen, dass sie nicht alles wissen und rackern sich ab, um ihre Wissenslücken zu schließen:

„ (…) Auch Experten wissen nicht alles, was sie wissen müssen. Beispielsweise kennen auch Fachanwälte die Mehrheit der Gesetze, die ihr Spezialgebiet betreffen, nicht. Geschweige denn alle. Kern der Bemühungen von IBM Watson und seinen Analysen ist das Bestreben, dieses Problem zu lösen. Es wird eine Zeit kommen, in der Fachleute, die keinen Zugang zu einem Tool wie Watson oder nicht das Know-how zu seiner Bedienung haben, Schwierigkeiten haben werden, einen Job in Industrieländern zu finden.“

Als allererstes müssen Sie sich aber den Wert dieses Wissens für Ihr Unternehmen bewusst machen. Wissen ist einem ständigen Wandel unterworfen und Sie und Ihre Kollegen müssen immer wieder Neues lernen; gleichzeitig wissen Sie, dass Sie niemals alles wissen können. Wenn Ihr Unternehmen durch Wissen Mehrwert erwirtschaftet, wird Ihnen kognitives Computing einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Sie müssen kein Forschungsunternehmen sein, um mit Wissen zu arbeiten. Wenn Sie ein Einzelhändler sind, wird Ihnen kognitives Computing dabei helfen, Ihre Kunden besser zu verstehen und mit ihnen zu kommunizieren. In der Öl- und Gasexploration kann kognitives Computing Unternehmen dazu dienen, zu entscheiden, wo gebohrt werden soll. Anwälte werden bei Gerichtsprozessen unterstützt werden und die Polizei beim Lösen von Fällen, die bisher unlösbar waren. Heutzutage nutzen fast alle Unternehmen Wissen. Wissen aus unstrukturierten Quellen innerhalb und außerhalb der eigenen Organisation kann Ihnen neue Möglichkeiten eröffnen. Kognitives Computing bietet Ihnen somit die einmalige Möglichkeit, Informationen und Lernen zu Ihrem Vorteil zu nutzen und so Ihren Umsatz zu steigern und zusätzliche Servicedienstleistungen zu entwickeln und anzubieten.

Die Frage ist daher nicht: Was kann kognitives Computing? Die Frage lautet: Wie werden Sie kognitives Computing künftig für Ihre Zwecke einsetzen?

Der Blogpost ist eine Übersetzung aus dem Englischen.

Über den Autor

Reinoud Kaasschieter
Reinoud Kaasschieter

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