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Industrie 4.0: Digitale Gewinner brauchen revolutionäre Ideen

Kategorie: Trend Industrie 4.0
Industrie 4.0 – die sogenannte vierte industrielle Revolution – hat in den vergangenen fünf Jahren eine sagenhafte Karriere hingelegt. Vom schwammigen Modewort hin zu einem der wichtigsten Wirtschaftsthemen und an die Spitze der politischen Agenda, von der Vision hin zur Realität. Schon heute nutzt fast die Hälfte der deutschen Industrieunternehmen (46 Prozent) Industrie-4.0-Anwendungen, wie eine aktuelle Befragung im Auftrag des Bitkom zeigt. Weitere 19 Prozent haben konkrete Pläne für den Einsatz von Industrie 4.0. Das können zum Beispiel intelligente Produkte sein, die den Maschinen mitteilen, wie sie bearbeitet werden müssen. Oder vernetzte Systeme für die vorausschauende Wartung, die bei Bedarf selbstständig Ersatzteile zu günstigen Konditionen am Markt beschaffen und so Ausfälle vermeiden. Das sind im wahrsten Sinne des Wortes revolutionäre Anwendungen.
Dank IT und Internet werden Industrieunternehmen künftig so flexibel, so effizient und so kostengünstig produzieren wie nie zuvor, selbst in der Losgröße 1. Aber das ist erst der Anfang. Die Vernetzung von Produktion und Produkten eröffnet auch zahlreiche Chancen für neue Geschäftsmodelle – und damit für neue Kundengruppen, neue Marktanteile, neue Umsätze.
 
Um das Potenzial von Industrie 4.0 voll auszuschöpfen, müssen die Unternehmen also ihre derzeitigen Geschäftsmodelle ergebnisoffen und ohne Tabus vor dem Hintergrund der Digitalisierung betrachten und prüfen. Kann das eigene Geschäftsmodell mithilfe von Apps, Sensoren, 3D-Druck oder Augmented Reality weiterentwickelt werden? Oder muss es sogar komplett umgekrempelt werden? So kann zum Beispiel die Entwicklung einer digitalen Plattform, wie man sie aus der Internetbranche mit Unternehmen wie Uber oder AirBnB kennt, auch in der Industrie sinnvoll sein. Das Angebot industrieller Dienstleistungen, die nutzungsabhängig abgerechnet werden, kann einem Unternehmen ebenfalls neue Märkte erschließen. Ganz zu schweigen von den Möglichkeiten, die die Auswertung von Produkt- und Produktionsdaten in der vernetzten Industrie bietet.
 
 
Diese Möglichkeiten werden aber noch nicht ausreichend gesehen oder unterschätzt. Laut der aktuellen Bitkom-Befragung wird Industrie 4.0 in Deutschland nach wie vor in erster Linie als Möglichkeit gesehen, Bestehendes zu optimieren. Die Entwicklung neuer oder die Veränderung bestehender Geschäftsmodelle scheinen eher zweitrangig. Das entspricht der bislang bewährten deutschen Unternehmer-Mentalität: Optimierung geht vor Disruption. Hinzu kommt, dass die Investitionsbereitschaft noch eher gering ist: Zwar hat gut jedes zweite Unternehmen, das im Bereich Industrie 4.0 aktiv ist, dieses Jahr Budget dafür eingeplant – allerdings fällt dieses mit durchschnittlich 4 Prozent des Jahresumsatzes relativ bescheiden aus.
 
So wie die Industrie 4.0 revolutionäre Anwendungen hervorbringt, so verlangt sie Unternehmen auch eine revolutionäre Denk- und Handlungsweise ab. Hier müssen wir noch mehr Mut und Konsequenz als bisher aufbringen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Unternehmen ihr eigenes Geschäftsmodell ungern angreifen, zumal wenn sie damit noch erfolgreich sind. Genau das ist in diesen Zeiten aber unter Umständen gefragt.
 
Helfen kann dabei oft der Blick von außen. Die Strategien für Industrie 4.0 werden, wo vorhanden, meist mit internen Mitarbeitern entwickelt. Dass der langjährige Produktionsleiter mit seiner Erfahrung eingebunden wird, ist natürlich richtig. Man braucht aber auch Mitarbeiter, die aus den gewohnten Denkmustern ausbrechen, und das sind meist eher unternehmensfremde oder sogar branchenfremde Personen, wie sie zum Beispiel in Start-ups aktiv sind. Sie liefern womöglich die entscheidende, revolutionäre Idee, die das eigene Unternehmen zum Gewinner in der digitalen Welt macht.
 
Haben Sie Fragen zu Industrie 4.0? Alle Informationen zu den Aktivitäten von Capgemini und Bitkom auf der Hannover Messe finden Sie hier.
 
Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Befragung, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 559 Produktionsleiter, Vorstände oder Geschäftsführer von Industrieunternehmen ab 100 Mitarbeitern befragt.

Über den Autor

Dr. Bernhard Rohleder
Dr. Bernhard Rohleder
Bernhard Rohleder hat den Bitkom e.V. Ende 1999 mit aus der Taufe gehoben und ist seitdem Hauptgeschäftsführer des Verbands.

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