IT-Trends-Blog

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Lean und Agile: Ein starkes Team

Die Befürworter von Agile und die Verfechter von Lean, eigentlich wollen sie das Gleiche: Zufriedenere Kunden. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass Agile in bedeutend intensiverer Kollaboration mit dem Endanwender arbeitet, während sich Lean stärker auf den Prozess fokussiert. Software zu entwickeln ist nicht das gleiche wie ein Auto zu bauen. Bei der Software kann der Kunde noch im Entwicklungsprozess Feedback geben. So wird es bedeutend wahrscheinlicher, dass das Produkt am Ende auch wirklich seinen Erwartungen entspricht. Beim Autobau jedoch muss der Hersteller die Auslieferung des Fahrzeugs abwarten, um die Resonanz des Kunden zu hören. Natürlich können Kunden auf den Webseiten der Hersteller bzw. Händler Wunschkonfigurationen, wie etwa Farbe oder Ausstattung, angeben. Aber auch diese Optionen sind Bestandteil vorformulierter Listen. Bei der agilen Softwareentwicklung sieht das anders aus. Da können die Anwender noch während des laufenden Entwicklungsprozesses Wünsche zu möglichen Verbesserungen äußern. In der Serienproduktion des Automobilbaus erweist sich es jedoch als schwierig, kurzfristiges Feedback im Produktionsprozess zu berücksichtigen. Deswegen findet Lean hier bevorzugt Einsatz: eine Methode, die Arbeitsabläufe der Herstellung in Bezug auf Kundenzufriedenheit, Qualität und Effizienz optimiert. Zwei Wege zum gleichen Ziel.

Lean fand bereits 1940 beim Toyota seinen Ursprung und hatte einen starken Einfluss auf die Entwicklung der agilen Prinzipien, in der Softwareindustrie in den 1990 Jahren. Beide Methoden sind Zeugnis und Antwort auf die jeweiligen Bedürfnisse ihrer Industrie und Zeit. Die eine vereinfachte den Produktionsprozess, die andere die Softwareentwicklung. Dennoch definieren beide Erfolg auf die gleiche Art und Weise: Der Kunde bekommt was er will bei gleichzeitig möglichst geringem Ausschuss. Lean optimiert Arbeitsabläufe, um den Kunden schneller glücklich zu machen. Agile optimiert das Produkt, durch die permanente Abstimmung mit dem Kunden und vermeidet damit Fehlschlüsse und Ausschussware. Aber weil Autobau und Softwareentwicklung nun mal zwei Paar Schuhe sind, wurde die permanente Rücksprache zu keinem immanenten Prinzip von Lean.

Was Agile von Lean lernen kann

Doch nur weil Agile nicht auf Lean Production passt, heißt das noch lange nicht, dass Softwareentwicklung nicht von Lean profitieren kann. Und das gleich in doppeltem Maße: Nämlich erstens, als gegenüber Agile niedrigschwelligere Variante zur Modernisierung des Entwicklungsprozesses in klassischen Organisationen und zweitens, beim Übergang zu kontinuierlichen Deployment-Prozessen in hoch agilen DevOps-Organisationen. Agile Entwicklung hat überzeugende Vorteile gegenüber klassischen Methoden und ist in den allermeisten Fällen dem traditionellen Vorgehen grundsätzlich überlegen. Allerdings stellt die Methode auch hohe Anforderungen an die Unternehmenskultur. Erst wenn die agilen Werte umfassend verinnerlicht sind und in der Organisation wirklich gelebt werden, kann sich das volle Potential der Methode entfalten. Lean basiert ebenfalls auf einem Wertegerüst. Jedoch ist dieses viel eher mit klassischen, funktional gegliederten Organisationen und einer moderat hierarchischen Führung kompatibel. So machen wir immer wieder die Erfahrung, dass Organisationen, die agile-inkompatibel sind, mit Lean-Methoden, wie etwa Kanban Boards, und einem moderierten kontinuierlichen Verbesserungsprozess deutliche Fortschritte erzielen.

Agile Organisationen in hoch dynamischen Märkten wiederum stellen zunehmend fest, dass selbst kurze Iterationen von nur einer Woche die Geschwindigkeitsanforderungen des Marktes nicht mehr ausreichend erfüllen. Hier kommt es zur Auflösung des Projektcharakters zu Gunsten eines kontinuierlichen Prozesses über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. So können täglich mehrfach Deployments in die Produktion erfolgen und Anforderungen des Marktes in Stunden in der Produktionsumgebung umgesetzt werden. In Sachen Prozessoptimierung, besonders wenn es um den kontinuierlichen Durchsatz – den „Flow“ – geht, dann hat Lean viel zu bieten. Hier schließt sich der Kreis aus Agiles kurzzyklischen Kundeninteraktionen zur Produktoptimierung und dem durch Lean geprägten schlanken und schnellen Produktionsprozess.

Wie ist Ihre Einschätzung zu dem Thema?

 

Über den Autor

Stefan Sack
2 Kommentare Kommentar hinterlassen
Hallo Stefan, ein kurzes Feedback von meiner Seite aus der täglichen Praxis: LEAN und agile Softwareentwicklung haben vom methodischen Ansatz viele Gemeinsamkeiten bzw. ergänzen sich. 2013 wurde unser Projekt/Account als LEAN-Prototyp bei Capgemini in Deutschland auserkoren und seitdem wenden wir die diversen Methoden der Capgemini-LEAN-Foundation an. Ergebnis: Die Kundenzufriedenheit konnte weiter gesteigert werden und unsere internen Abläufe (z.B. Flow bzw. Definition of Done) verstehen wir dank des methodischen Rüstzeugs (d-STUM-Board, A3 zur Ermittlung von KPIs ...) jetzt noch besser. Gruß aus Düsseldorf Norbert Kleikamp P.S. Ich selbst bin seit fast 35 Jahren in einem Softwareentwicklungs-Projekt tätig: HOCHTIEF-Account, KUBUS (baubetriebliche Software) d-STUM: daily Stand-Up Meeting A3: Methodik zur kontinuierlichen Verbesserung
Hallo Norbert, ja, Lean und Agile fussen auf sehr ähnlichen Grundüberzeugungen. Es freut mich, wenn ihr mit Lean so gute Ergebnisse erzielt habt. Wie sieht es mit Agile und/oder DevOps aus? Das könnte helfen, Euch und unseren Kunden noch weiter voran zu bringen. Herzliche Grüße Stefan

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