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Plattformen der Digitalisierung: Mehr Wertschätzung für zentrale Backend-Installationen bitte!

Kategorie: Digitale Trends

Der Hype um Cloud Computing, Big Data, Analytics, Industrie 4.0, Customer Experience und IoT überschattet ein wenig die Verdienste der internen IT der vergangenen Jahre. Immerhin hat sie mit Mitteln wie Standardisierung, Harmonisierung und Zentralisierung den meisten Unternehmen eine IT-Landschaft im Backend zur Verfügung zu stellen, die stabil, zuverlässig, sicher und effizient und – dank ITIL – in der Regel auch serviceorientiert aufgestellt ist.

In Zeiten des digitalen Wandels scheinen diese Attribute nicht mehr allzu viel wert zu sein. Gefragt sind nun Schnelligkeit, Flexibilität und Agilität – allesamt Merkmale, mit denen sich die herkömmlichen IT-Umgebungen, aber auch die traditionellen IT-Organisationen schwer tun.

Beide Anforderungsprofile dürfen sich aber nicht ausschließen. Natürlich muss ein auf digitalen Techniken basierendes Geschäftsmodell sich zügig neuen Trends und Anforderungen anpassen können, also flexibel und agil sein. Genauso dringend benötigt es aber zuverlässige und sichere IT-Umgebungen. Wer beispielsweise Industrie 4.0-basierende Produktionsanlagen nicht intensiv gegen externe Angriffe absichert, handelt grob fahrlässig.

Das ist ein hoher Anspruch, dessen Erfüllung nur über den Weg der Integration von neuer und alter Welt führen kann. In der Praxis streben Unternehmen in Deutschland beispielsweise eine Integration von digitalen, meist Cloud-basierenden Digitallösungen in die vorhandene Backend-Landschaft an. Das ist ein wichtiges Ergebnis einer Expertenumfrage unter 20 Anwenderunternehmen in Deutschland. Befragt wurden sie unter anderem nach den Einflüssen der digitalen Transformation von Geschäftsmodellen auf die interne IT und die Softwareentwicklung.

Nahezu alle befragten Unternehmen nutzen eine zentrale Plattform, um Unternehmensprozesse abzubilden. Zumeist sind es Lösungen von SAP, die betriebliche Prozesse für Aufgaben wie Finanzbuchhaltung, Controlling und HR umsetzen, aber auch Lösungen von Oxaion, Ordat und Infor wurden im Zuge der Erhebung genannt. Sehr oft gibt es eine zweite zentrale Plattform für Abläufe im Kerngeschäft. Das können beispielsweise Produktinformationssysteme, MES-Lösungen, Serviceplattformen sowie Bankenlösungen und Krankenhausinformationssysteme sein, je nach Branche. Sobald es um die Anschaffung neuer digitaler Applikationen geht, achten die befragten Unternehmen darauf, dass die angeschafften Digitalisierungslösungen entweder zur Branchen- oder ERP-Plattform passen.

Cloud-Plattformen wie etwa Salesforce.com, Amazon Web Services (AWS) oder Microsoft Azure werden zwar genutzt, spielen aber keine zentrale Rolle in den Digitalisierungsprojekten. Falls sie im Rahmen von digitalen Projekten zur Anwendung kommen, müssen sie sich in die angestammte IT-Strategie einfügen, sich also in die existierenden Plattformen integrieren.

Fakt ist demnach, dass Unternehmen an den vorhandenen Installationen nicht rütteln, um ihre Digitalisierungsvorhaben zu realisieren. Die zentralen Backend-Lösungen sind die Konstanten, um die sich sämtliche digitalen Entwicklungen gruppieren müssen.

Der Anspruch eines jeden CIOs und IT-Leiters muss aber weiter gehen. Er sollte den Weg für Digitalisierungsprojekte oder – in einem größeren Kontext – Digitalisierungsstrategien im Unternehmen ebnen. Das geht nur über eine schnelle, einfache Integration, deren Basis die harmonisierten, zentralen Applikations- und Datenbanklandschaften sind. Die interne IT kann damit die Voraussetzung dafür schaffen, dass neue digitale Plattformen und Techniken zügig und ohne großen Aufwand an die Backend-IT angedockt werden können. Agilität und Flexibilität sowie Sicherheit und Zuverlässigkeit müssen sich also nicht ausschließen!

Über den Autor

Joachim Hackmann
Joachim Hackmann
Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei dem führenden europäischen Research- und Beratungshaus PAC. Inhaltlich konzentriert er sich auf Themen rund um Application Software, anwendungsbezogene IT-Services sowie IoT und digitale Transformation. Er kann in seiner Tätigkeit als Analyst und Berater aus über 20 Jahren Erfahrung in der IT-Branche schöpfen.

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