IT-Trends-Blog

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Robotic Process Automation: Das Ende von BPM und Outsourcing?

CIOs sind heutzutage auch nicht zu beneiden. Sie müssen die technische Basis für mehr Prozesseffizienz schaffen, haben es aber in einigen Branchen mit extrem heterogenen, immer weiter wachsenden IT-Landschaften zu tun. Hunderte von Anwendungen in unterschiedlichen Architekturen und Technologien haben sich in den Anwendungsfuhrparks einzelner Unternehmen über die Jahre angesammelt und wollen betrieben und gewartet werden. Um in solch einem Umfeld Prozesse zu vereinfachen, zu automatisieren und unternehmensweit über die IT zu steuern, sind komplexe IT-Transformationsvorhaben, wie beispielsweise die Modernisierung der Kernsysteme oder die Implementierung von BPM-Systemen, nötig. Will man ohne diese Projekte mehr Effizienz schaffen bleibt oft nur noch das Outsourcing von Business-Prozessen.

Und doch sind Transformations- und BPM-Vorhaben geprägt von relativ langen Umsetzungszyklen, erfordern einen hohen Integrationsaufwand, sind in der Umsetzung aufgrund der Komplexität risikoreich und amortisieren sich wegen der hohen anfänglichen Investitionskosten erst sehr spät. Outsourcing auf der anderen Seite büßt nach und nach an Effizienzeffekten ein. Dort wo es bereits seit langem im Einsatz ist, hat das Effizienzpotential bereits ein Maximum erreicht. Auch das Lohnkostenargument wird zunehmend obsolet, wenn Offshore-Löhne steigen.  Und Offshoring passt nicht in jede Branche – bei Versicherungen beispielsweise fehlt noch immer die Akzeptanz für ausgelagerte Serviceleistungen.

Software-Roboter für mehr Prozesseffizienz

In diese Bresche springt nun Robotic Process Automation (RPA). Die Marketingabteilungen der Tool-Hersteller versprechen Prozesskosteneinsparungen von bis zu 60 Prozent und eine schnelle und risikoarme Implementierung. Die wird vor allem dadurch möglich, dass im Vergleich zu Transformations- oder BPM-Ansätzen kein Integrationsaufwand auf Seiten der bestehenden Systemlandschaft anfällt. Warum? Weil Robotics Automation außerhalb der bestehenden Anwendungslandschaft sitzt. Die Schnittstelle ist das User Interface. Die Konfiguration erfolgt durch „vormachen“ am System. Das kann durch den Fachexperten erfolgen und bindet dadurch wenig bis keine Ressourcen auf Seiten der IT – „Code free“ sozusagen. Einmal konfiguriert, werden Prozesse hochskalierbar. Hunderte Roboter können gleichzeitig das tun, was sonst einzelne Mitarbeiter seriell abarbeiten müssen. Glücklicherweise sind die Roboter, mit denen wir es hier zu tun haben, keine physisch existenten maschinellen Gestalten mit Armen, Beinen oder Rädern so wie wir sie beispielsweise aus der Fertigungsindustrie kennen - wo sollten wir so viele von ihnen auch unterbringen? RPA-Roboter sind reine Software und brauchen keine Schreibtische – aber sie könnten einen ähnlichen Einfluss auf die Arbeitswelt im Backoffice haben, wie ihre physischen Vorgänger auf die Fertigung. Ihre Amortisierung ist auch für Prozesse mit geringen Fallzahlen sehr viel direkter realisierbar als die klassischer BPM-Maßnahmen. Initialisierungskosten sind überschaubar und die Lizenzkosten abhängig von der Zahl der genutzten Robots.

Robotics sind da sinnvoll, wo in Prozessen viele manuelle Eingaben in mehreren Systemen nötig sind und die Umsetzung von großen Transformationsvorhaben noch bevorsteht oder andauert. In der Zwischenzeit kann RPA mit geringem Risiko in der Umsetzung und ohne viele IT-Ressourcen zu binden schnell Effizienzgewinne einfahren. BPM-Ansätze haben aber dennoch weiterhin ihre Bedeutung durch ihre Fähigkeiten zur Steuerung, Verwaltung, und Optimierung von komplexen und langlaufenden Prozessen. Insofern sehe ich Robotics als eine wunderbare Ergänzung zu Outsourcing und BPM.  

Ich denke, RPA hat gute Chancen, in viele Branchen und Unternehmensbereiche einzuziehen. Niedrige Eintrittshürden sorgen derzeit für Verprobungen in vielen Bereichen und werden in den nächsten Jahren, neben den zunächst offensichtlichen Einsatzfeldern, viele weitere sinnvolle Einsatzfelder aufdecken.

Aber auch mit RPA wird es nicht möglich sein, das Automatisierungspotential von Business-Prozessen voll und ganz auszuschöpfen. Ein flächendeckender Einsatz von “einfacher“ RPA wird allerdings der nächsten Evolutionsstufe der Automatisierung, nämlich der Kombination von Robotics mit Künstlicher Intelligenz (KI), den Eintritt in den Markt erleichtern und dann auch dort für Automatisierung sorgen, wo das heute aufgrund der Beteiligung und Bedeutung von menschlicher Entscheidungskompetenz noch schwer denkbar ist.

Welche Einsatzfelder sehen Sie für RPA?

Über den Autor

Gunnar Tacke
Gunnar Tacke
Ich berate Versicherungen bei der Modernisierung und Digitalisierung ihrer Anwendungslandschaften und helfe dabei, neue Ideen für Wertschöpfungsangebote zu finden und umzusetzen. Welchen Einfluss neue Technologien, wie z.B. das Internet der Dinge, auf bestehende Geschäftsmodelle haben können, interessiert mich sehr. Mein Fokus liegt auf den Themen Customer Experience, Innovationmanagement und Core Insurance.

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