IT-Trends-Blog

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Digitalisierung: Was die Re-Organisation der IT-Abteilung ausbremst

Kategorie: Digitale Trends

Das Schwierige an der Digitalisierung ist offenbar nicht die Technik, sondern die Organisation von Menschen und Prozessen. Das zeigte die IT-Trends-Studie 2017. Das gilt sowohl auf Unternehmensebene, als auch auf der Ebene der IT-Abteilung. Dementsprechend würde ich erwarten, dass jetzt viele Projekte zur Transformation von IT-Abteilungen anlaufen. Aber weit gefehlt. Verschließen CIOs einfach die Augen vor dem, was notwendig ist?

Mittlerweile haben deutlich mehr der in der Studie befragten CIOs Schwierigkeiten bei der Digitalisierung – von 60 Prozent im letzten Jahr auf nun 73 Prozent. Entgegen den Erwartungen ist das Hauptproblem aber nicht die Technologie, sondern der Fachkräftemangel, unflexible Geschäftsprozesse, starre Organisationsstrukturen, mangelnde übergreifende Planung und unklare Verantwortlichkeiten. All das klingt nach unzureichender Unterstützung der Geschäftsleitung. Tatsächlich beklagt sich aber nur eine Minderheit der IT-Verantwortlichen über zu wenig Rückhalt für ihre Digitalisierungsvorhaben. Daran kann es also nicht liegen.

Organisatorische Altlasten

Woran liegt es dann? Handelt es sich hauptsächlich um ein kulturelles Problem, also die mangelnde Bereitschaft der Mitarbeiter, sich selbst, die Arbeitsweise und liebgewonnene Gewohnheiten zu verändern? Zum Teil ja, aber ich glaube auch, dass solche Veränderungen durch organisatorische Altlasten ausgebremst werden. Viele Unternehmen arbeiten mit Hierarchien und Prozessen, die in einer ganz anderen Ära entwickelt wurden. Ja, sie haben auch lange Zeit gut funktioniert, aber offenbar ist jetzt der Zeitpunkt für Veränderungen gekommen. Problematisch ist allerdings, dass sie einen Großteil der Mitarbeiter geprägt haben, die jetzt in Unternehmen und häufig in Führungspositionen arbeiten. Sprich, diese Strukturen haben auch viele CIOs geprägt. Für das Gelingen der digitalen Transformation müssen aber vor allem die Führungskräfte neue Arbeits- und Sichtweisen entwickeln, wie mein Kollege Heino Hütter hier schon einmal ausgeführt hat.

Veränderungen auslagern, abkapseln oder ausgründen

Aber angenommen, dass der CIO keine Barriere im Kopf hat und bereit ist für Änderungen, er kämpft gegen die Macht der Gewohnheiten seiner Mitarbeiter. Dementsprechend wundert es mich nicht, dass so viele CIOs wenig Elan zeigen, die eigene Abteilung neu zu organisieren. Viel mehr verlassen sich viele, wie die IT-Trends-Studie zeigt, auf die Zusammenarbeit mit externen Beratern oder Start-ups, einige gründen auch Innovationsabteilungen oder gleich ganz neue Unternehmensbereiche, die die Digitalisierung voranbringen sollen.

Die Vorteile sind:

  • Keine gewachsenen Hierarchien, dementsprechend ist keine Transformation notwendig.
  • Prozesse und Arbeitsweisen können an den Vorstellungen digital-orientierter Mitarbeiter ausgerichtet werden. Das macht den Arbeitsplatz attraktiv für sie und erleichtert die Suche nach geeigneten Fachkräften.
  • Kleine Teams erzielen schneller Ergebnisse und erübrigen ausgeprägte Hierarchien.
  • Da es noch keine Fachabteilungsstrukturen gibt, können die Experten verschiedener Gebiete reibungslos und eng zusammenarbeiten.

Durch das Abkapseln und Ausgründen vermeiden CIOs also das Transformationsprojekt im eigenen Haus. Langfristig hoffen viele von ihnen wahrscheinlich darauf, dass die jungen, hippen Teams den Rest der IT-Abteilung oder am besten gleich das ganze Unternehmen mitziehen und so die Transformation von innen heraus initiieren.

Ob das funktioniert, wird sich zeigen. Ich bin allerdings skeptisch. In der Vergangenheit haben solche Vorhaben nicht selten im Kleinkrieg zwischen Unternehmenseinheiten geendet. Meiner Erfahrung nach reicht es nicht, irgendwo ein Streichholz anzuzünden, ohne gleichzeitig für Feuerholz zu sorgen. Das Feuerholz wäre dann die parallel laufende Transformation der übrigen IT-Abteilung, damit sie versteht, in welche Richtung es in Zukunft geht. Sie muss die Chancen der Zusammenarbeit mit Start-ups oder des Aufbaus der Innovationsabteilung sehen, anstatt sie abzulehnen. Sonst wird sie nichts übernehmen. Wie sehen Sie das? Welchen Weg haben Sie eingeschlagen und welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Über den Autor

Jan-Malte Prädel
Jan-Malte Prädel
Digitalisierung wird nicht ohne Grund auch als vierte industrielle Revolution bezeichnet. Mich interessiert insbesondere, wie Unternehmen hiermit bestmöglich umgehen sollten – inhaltlich, organisatorisch und strategisch.

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