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Digital Twin: Intuition plus Algorithmus

Kategorie: Digitale Trends

Als moderner Geselle unterstützt der digitale Zwilling den Meister darin, Schwachstellen an Maschinen genau zu analysieren. Doch das ist nicht der einzige Vorteil des „Closed Loop“ für Unternehmen.

Digitale Zwillinge entwickeln sich gerade zum modernen Gesellen für den Meister. Denn sie bilden die Prozesse von der Entwicklung über die Fertigung, den Verkauf bis hin zum Service digital ab und werden somit zum objektiven Gradmesser der Experten vor Ort. Theoretisch jedenfalls. Denn noch hakt es an der einen oder anderen Stelle. Klar ist: Lange kannte niemand die Maschinen in der Produktionshalle besser als der Meister, der seit Jahren täglich die Motoren sirren hört, der vorausahnt, wenn die Produktion stockt und die geplanten Stückzahlen in Gefahr geraten. Niemand gab bessere Hinweise darauf, wo Sensoren eingebaut und welche Werte gemessen und ausgewertet werden sollen. Nun ergänzt das Internet of Things den Meister und macht ihn noch besser. Die große Kunst besteht nun darin, die Intuition der Menschen vor Ort zu nutzen und in ein Datenmodell zu gießen.

Informationen landen zu oft im Datengrab

An Daten mangelt es nicht. Sensoren pulsen sie ständig direkt aus Maschinen und Produkten – meistens leider direkt ins Datengrab. Denn genutzt werden diese wertvollen Daten viel zu wenig. Stattdessen landen sie auf Festplatten in den Fachbereichen. Dann ist es auch kein Wunder, dass eine Maschine ausfällt und erst im Nachhinein die Ursache dafür klar wird. Dabei sind die Daten enorm wertvoll. Algorithmen sind längst fähig, aus dem Datenstrom direkt abzulesen, wenn sich das Verhalten der Maschine ändert und ein Eingreifen nötig ist. Archive dienen zudem als Gedächtnis für Muster, die zu diesen Vorfällen führen, so dass Maschinen sich künftig selbst Service bestellen oder sich selbst ausstellen. Maschinen lernen ständig dazu.

Die Vision Closed Loop ist erst auf dem Weg

Den gesamten Lebenszyklus von der Entwicklung über die Produktion und den Vertrieb bis hin zum Service – den Closed Loop – haben die wenigsten Unternehmen bereits digitalisiert. Drei von vier Entscheidern sind sich klar darüber, dass sie etwas unternehmen müssen. Während zwei Drittel von ihnen noch immer überlegen, wie sie das Thema Digitalisierung angehen, fangen die restlichen einfach an zu experimentieren und zu pilotieren. Hier geht es nicht um den „Closed Loop“, sondern in der Regel um Segmente daraus. Sie orientieren sich an klar umrissenen Business Cases und müssen mit den Widrigkeiten eines Brownfield-Ansatzes leben, der geprägt ist von einer heterogenen und über Jahre gewachsenen IT-Landschaft. So kam beispielsweise bei einem großen deutschen Autokonzern die Idee auf, einen Schweißroboter mit entsprechender Sensorik und Analytik auszustatten. Immer wieder waren die Schweißbolzen abgebrochen. Allerdings zeigte der Business Case in der Praxis, dass es sehr aufwändig war, die Datenqualität zu steuern. Die prognostizierten Einsparungen waren zu gering und das Projekt wurde nicht fortgesetzt.

Wozu ein Digital Twin künftig da ist

Rückschläge sind gut und sie gehören genauso zur Digitalisierung wie Ansätze weiter zu verfolgen. Das prominenteste „Smart Product“ und damit auch ein Pool an Daten ist das Smartphone. Das macht es zur idealen Spielwiese für den digitalen Zwilling. Es birgt Informationen über technische Merkmale des Geräts und über das Nutzerverhalten durch die eingesetzten Apps. Stellt sich beispielsweise heraus, dass viele Nutzer diverse Apps zur Bildnachbearbeitung herunterladen, wäre es vielleicht sinnvoll, diese Erkenntnis zum Anlass zu nehmen, um Folgegenerationen des Smartphones mit hochwertigeren Kameras anzubieten.

Richtig spannend – und voraussichtlich erst in Dekaden möglich – wird es, wenn Produktmängel auffallen und der Digital Twin dazu beiträgt, sie „End to End“ zu beheben. Ist beispielsweise – wie vor ein paar Jahren wirklich passiert – eine Antenne in einem Smartphone falsch verbaut und ermöglicht keinen Empfang sobald man das Telefon am Ohr hat, bedeutet das für die Entwicklung, eine neue Lösung zu finden, etwa die Antenne andersherum einzubauen. Nächste Frage: Lässt sich das so einbauen und produzieren? Und: Was kostet das? Der Charme des Digital Twins liegt nun darin, dass wir mit ihm diverse Szenarien simulieren und somit gangbare Lösungen identifiziert können. Es gibt keinen Zweifel: Die menschliche Intuition und maschinellen Algorithmen werden in der Zukunft weiter zusammenwachsen – gewissermaßen als Human-Physical-Digital-Twin.

Nutzen Sie bereits den digitalen Zwilling in Ihrer Produktentwicklung? Besuchen Sie uns auf der Hannover Messe, und diskutieren Sie mit! Wir freuen uns auf Sie!

Über den Autor

Andreas Hein

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