IT-Trends-Blog

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Agile Organisation: Planst du noch oder veränderst du schon?

Veränderung verläuft in Wellen, so lautet eine gerne unter Managern genutzte Metapher. In verbreiteter Lesart schlägt die Brandung unablässig gegen die Festen des mühsam errichteten Geschäftsmodells. Seien es neue Wettbewerber, Innovation und Disruption, der Gesetzgeber oder andere Faktoren. Sie erodieren bei Untätigkeit fleißig das Geschäft. Dieser im Zeitalter der Digitalisierung ungebremst zunehmende Effekt hat die IT-Abteilungen in den letzten Jahren selbst in den traditionsreichsten Unternehmen in Aufbruchsstimmung versetzt.

Agile(re) Methoden erfreuen sich da größter Beliebtheit, weil sie schnelle Reaktion auf ein verändertes Umfeld ermöglichen. War in der Vergangenheit die IT als „Budget-Senke“ verschrien, so gibt sie heute im Zuge der Digitalisierung den Takt der Wertschöpfung vor und treibt dabei auch andere Unternehmensteile vor sich her. Veränderung wird zum internen Faktor. Aber sie ist unbequem und deshalb bauen viele erst einen neuen Deich, wenn die Füße schon nass sind.

Das Problem zeigt sich an dieser Metapher: Anders als ein Deich, der ortsfest und statisch die Brandung abfängt, ist ein Unternehmen und sein Geschäftsmodell ein organisches Geschöpf. Es ist inhärent wandelbar und dynamisch – auch wenn diese Fähigkeit zwischen starren Hierarchien und Prozessen gerne übersehen wird. So kann ein Unternehmen statt auf die Brandung selbst auf einzelne Wellen nicht nur reagieren sondern einen gemeinsamen Rhythmus finden. Veränderung sollten wir nicht mit Widerstand begegnen sondern sie als Verbündeten nutzen.

Doch dazu ist ein Umdenken in der Art und Weise erforderlich, wie organisatorische Veränderungen ablaufen. Das plangetriebene, großformatige Change Management in Organisationen ist der Wasserfall der Software-Entwicklung. Und er bremst die agilen Ansätze oft genug aus: Viele typische „Impediments“, also Hindernisse bei der agilen Entwicklung, liegen in der Organisation. Bis beispielsweise die Silos zwischen beteiligten Abteilungen abgebaut sind und die Entwicklung richtig losgehen könnte, hat die Start-Up-Konkurrenz längst ihr Produkt am Markt.

Ein Gleichmaß mit der Brandung

Der Schlüssel zur schnellen Veränderung ist kleine Veränderung. Unternehmensstrategen denken gerne etliche Größenordnungen über einer beherrschbaren Veränderung. Natürlich wäre es schön, gleich einen Großteil der bekannten Probleme mit einem Wurf vom Tisch zu haben. Aber allein die Vorgespräche dauern Wochen und Monate, in denen der Deich weiter bröckelt. Deshalb rate ich, sich zunächst einmal nur ein Problem vorzunehmen, mit einer überschaubaren Menge konkreter Maßnahmen. Die sollten in maximal einem Monat umsetzbar und ihre Ergebnisse überprüfbar sein.

Nach Ende des Monats oder sogar eines kürzeren Zeitraums kann festgestellt werden, ob die Maßnahme sinnvoll war und zum gewünschten Ergebnis oder zumindest näher an das übergeordnete Ziel heranführte. So etabliert sich ein kurzer Takt leichtgewichtiger Veränderungen. Das Unternehmen oder auch der betroffene Teil bleibt in Bewegung und stimmt sich über die Zeit auf den Rhythmus mit der Brandung ein.

IT-Abteilungen können dazu Veränderungsbedarfe mit ihrem Entwicklungsmodell verzahnen. Begleitet ein dediziertes Veränderungsteam die eigentlichen Entwicklungsteams, kann es mit Verbündeten außerhalb der IT den Rhythmus der Veränderung in die Organisation tragen. Schrittweise Verbesserungen in der Software und in der Organisation schaffen stetig neue Potenziale durch schnelle Innovationsfähigkeit und verringern das Risiko, am Markt eines Tages nicht mehr mithalten zu können.

Sein wir mal ehrlich: Würden wir nicht lieber auf den Wellen surfen als uns mühsam gegen die Brandung zu stemmen?

Über den Autor

Maximilian Frei
Maximilian Frei
Ich schreibe über agile Vorgehensweisen und die damit verbundenen Änderungen für Organisation, Mensch und Technologie.
Super Artikel - vielen Dank. Persönlich glaube ich das in den Unternehmen erst noch eine "Revolution" geschehen muss und vor allem ein Umdenken um mit der heutigen Zeit wirklich in Einklang zu kommen. Viele Unternehmen sind immer noch papierbasiert, obwohl es heute Möglichkeiten gibt dies zu ändern; selbst das Finanzamt zum Beispiel möchte Erklärungen lieber digital. Es ist wohl noch ein bisschen Zeit nötig um das Umdenken nach vorn zu bringen. Die IT-Abteilungen sollten, wie beschrieben, als Mehrwert eine eigenes Budget erhalten um einfach Mehrwert für das Unternehmen zu "generieren". Also es bleibt zu hoffen, dass ein Umdenken vieler Unternehmer bald erreicht wird, so dass sie nicht gegen die Brandung schwimmen. Viele Grüße, Steffi

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