IT-Trends-Blog

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Digitalisierung: Wer soll Innovationen bezahlen?

Kategorie: Digitale Trends

Die Innovationsausgaben der IT-Abteilungen sinken weiter, das hat die neue IT-Trends-Studie gezeigt. Angesichts der Digitalisierung hat mich das sehr überrascht, Sie wahrscheinlich auch. Aber da in der Studie CIOs befragt werden, kennen wir nur ihre Budgets und nicht die Ausgaben der Fachabteilung. Vielleicht sind sie es, die die Neuerungen im Rahmen der Digitalisierung finanzieren? Und ist das nicht vielleicht sogar sinnvoll?

Es könnte durchaus eine gute Sache sein, denn viele Innovationen betreffen ja den Endkunden und den kennt die Fachabteilung in der Regel besser als die IT-Abteilung. Darüber hinaus sind die Themenspezialisten der Abteilungen meistens gut über die neusten Trends auf ihrem Gebiet informiert. Sie wissen, was die Konkurrenz gerade implementiert hat und was das am Markt bewirkt. Oder sie kennen die Schwachstellen der eigenen Systeme und können sie aus Sicht der Kunden verbessern. Kurzum: Da sie über die geschäftlichen Anforderungen am besten Bescheid wissen, werden sie nichts einkaufen, was an ihren Vorstellungen vorbei geht.

IT-Einkäufe der Fachabteilungen können Kosten erhöhen und Sicherheit gefährden

Neben all dem Guten hat es aber auch ein Schlechtes, wenn die Fachabteilung auf Einkaufstour geht. Die meisten CIOs denken als erstes mit Schrecken an Schatten-IT. Ohne Rücksprache gebuchte Cloud-Services können zum Albtraum werden, wenn sich herausstellt, dass sie nicht den Sicherheits- und Datenschutzanforderungen des Unternehmens entsprechen. Gleiches gilt für mobile Endgeräte, die sich nicht oder nur unsicher ins Netzwerk integrieren lassen. Auch kann die Fachabteilung oft nur schwer abschätzen, wie aufwendig der Betrieb oder die Weiterentwicklung einer Software ist. Und sie kennt letztlich auch keine Programmiersprachen und Plattformen und kauft unter Umständen Produkte ein, die gar nicht in die Unternehmenslandschaft passen. 

All das weiß die IT-Abteilung und achtet sehr darauf, dass ihr Aufwand mit einer zusätzlichen Lösung nicht unnötig steigt. Manchmal wartet sie auch erst einmal ab, wie sich eine neue Technologie bei anderen bewährt, bevor sie sie selbst ins Haus holt. Ähnliches gilt auch für exotische oder brandneue Programmiersprachen.

Zielkonflikte behindern gemeinsame Investitionen

Natürlich haben die Argumente beider Seiten ihre Berechtigung. Es wäre also am besten, wenn sie gemeinsam einkaufen würden. Das aber scheint nicht immer möglich, anderenfalls würden Fachabteilungen keine Alleingänge machen. Häufig sind die Schwierigkeiten in Zielkonflikten begründet: Die IT-Abteilung muss die Landschaft möglichst effizient und kostengünstig betreiben. Sie steckt ohnehin schon sehr viel Geld ins Tagesgeschäft, so dass für Innovation kaum etwas übrig bleibt. Die Fachabteilung will das Beste für ihren Erfolg, also mehr Umsatz, höhere Kundenbindung und dergleichen. Hilfreich wäre, wenn aus beiden Zielen eines wird, so dass alle an einem Strang ziehen. Auf beide Ziele einzahlen würde beispielsweise eine neue Lösung, die sowohl Umsatzsteigerung oder höhere Kundenbindung ermöglicht, als auch gleichzeitig den Arbeitsaufwand in der IT-Abteilung senkt.

Investieren wie ein Start-up

Dieses Beispiel macht bereits deutlich, dass die Finanzierungsfrage in dieser Form eigentlich falsch gestellt ist. Denn im Grunde genommen ist es immer am besten, wenn Fach- und IT-Seite Hand in Hand arbeiten. Ähnlich wie bei Start-ups, bei denen es noch keine Trennung von Fach- und IT-Abteilung gibt. Dementsprechend würden dann nicht nur die Ressourcen, sondern auch die Finanzen gepoolt. Am Ende hätte ein Team aus verschiedenen Abteilungen ein bestimmtes Budget, um ein Ziel zu erreichen. Das würde aber die bisherigen Abteilungsstrukturen in Frage stellen, wie so vieles bei der Digitalisierung. Es gibt bereits einige Unternehmen, die dieses Prinzip umgesetzt haben und bislang gute Erfahrungen damit machen.

Wie sieht es bei Ihnen aus, halten Sie dieses Modell für gangbar oder haben Sie andere Visionen?

 

 

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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