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IT-Trends: Cloud ohne DevOps ist wie eine Solarzelle im Schatten

Kategorie: Digitale Trends

Die Cloud-Nutzung hat laut der IT-Trends-Studie in diesem Jahr weiter zugenommen und die Daten zeigen, dass die Mehrheit der CIOs auf die eigene Cloud-Lösung setzt. Inzwischen werden auch nicht mehr nur neue Applikationen in der Cloud betrieben, sondern zunehmend auch alte migriert. Gleichzeitig kommt der Einsatz agiler Methoden kaum voran. Das eine ohne das andere macht meiner Meinung nach jedoch wenig Sinn. Das wäre so, als ob man Sonnenkollektoren auf einem Hausdach montiert, das drei Viertel des Tages im Schatten steht. Über die geringe Ausbeute muss man sich dann nicht wundern.

Wenn Unternehmen Anwendungen in die Cloud bringen, geht es manchmal auch um Kosteneinsparungen, aber in der Regel wollen sie mit diesem Schritt ihre Flexibilität und Agilität erhöhen. Die Automatisierungsmöglichkeiten in der Cloud sind vielfältig und die Kapazitäten können schnell provisioniert und skaliert werden. Aber was nützt diese höhere Flexibilität an dieser einen Stelle, wenn die übrigen Schritte des Gesamtprozesses unflexibel und langsam sind?

Das große Ganze im Blick behalten

Das Ziel der Fachabteilungen ist, Prozesse schnell an neue Gegebenheiten anpassen zu können. Diesem Anspruch kommt die Cloud zumindest in Teilbereichen entgegen, denn mit ihr ist die Hardware nicht mehr der limitierende Faktor. Aber was ist mit der Software? Die Fachabteilung möchte gern, dass sie permanent weiterentwickelt wird und die Updates auch rasch in Betrieb genommen werden. Der IT-Betrieb wirkt diesem Bestreben traditionell entgegen, weil jedes Update das Risiko eines Betriebsausfalls birgt. Das Operations-Team möchte gerne möglichst wenige Updates pro Jahr in Betrieb nehmen und wenn möglichst erst nach ausgiebigen Tests. Dabei ist es egal, ob die Anwendung in der Cloud oder woanders läuft.

Mit DevOps ist es möglich, viele kleine Updates nach beispielsweise automatisierten Tests in Betrieb zu nehmen und diese auch wieder rückgängig zu machen, falls etwas Unvorhergesehenes passiert. Das entschärft die Situation für den IT-Betrieb und senkt darüber hinaus auch noch die Komplexität gegenüber den großen Updates, die nur zwei- bis dreimal pro Jahr durchgeführt werden.

DevOps hat Vorteile für alle Beteiligten

So weit so gut. DevOps bietet also dem Betrieb einerseits die notwendige Stabilität und Sicherheit, andererseits der Fachabteilung und der Entwicklung Geschwindigkeit und Agilität. Ich frage mich, warum dennoch so wenige Unternehmen DevOps nutzen? Die Ergebnisse der IT-Trends-Studie bringen Licht ins Dunkel: Am häufigsten führen die Teilnehmer kulturelle Schwierigkeiten an, allen voran die bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Sie fällt Entwicklern schwerer als den Kollegen aus dem Betrieb. Dafür haben Entwickler weniger Probleme mit der agilen Denkweise als Mitarbeiter von Operations und verfügen über mehr Prozesse und Tools für den Aufbau einer Continuous Delivery Pipeline. Natürlich spielt der Fachkräftemangel auch in diesem Bereich eine Rolle, die größte Hürde ist aber die agile Denkweise und Kultur.

Die kann der CIO aber nicht einfach verordnen und das ist das Problem. Der Aufbau der Cloud wird in der Regel geplant, die Mitarbeiter geschult und dann nach Plan umgesetzt. So strategisch gehen die meisten Unternehmen bei der Umstellung auf DevOps nicht vor. In der Folge werden dann möglicherweise andere Methoden und Tools genutzt, eine agile Denkweise oder Kultur setzt sich aber nicht durch. Sie bleibt ein Mythos oder alternativ die Erfindung der Entwickler, die nach Meinung der Betriebs-Mitarbeiter gar nicht wissen, worum es wirklich geht.

Unter diesen Umständen werden die Vorteile der Cloud meiner Meinung nach nur halb ausgeschöpft. Die Alternative wäre die systematischere Einführung von DevOps, mehr Dialog zwischen Entwicklung und Betrieb und die Vereinbarung neuer übergeordneter Ziele, so dass beide Fraktionen an einem Strang ziehen. Mit fortschreitender Digitalisierung werden viele Unternehmen ohnehin nicht an diesem Kulturwandel vorbeikommen, also warum nicht gleich damit beginnen?

Über den Autor

Stefan Sack

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