IT-Trends-Blog

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Blockchain: Der Traum von der neuen großen Freiheit

Kategorie: Digitale Trends

Stellen Sie sich vor, Amazon würde den gesamten Energiehandel an sich reißen oder das Tourismusgewerbe monopolisieren! Was denken Sie darüber? Ein unwahrscheinliches Szenario? Nicht wirklich, wenn man bedenkt, dass digitale Geschäftsmodelle heute in großen Teilen plattformbasiert sind und der Markt von wenigen großen Hegemonen besetzt ist. Google, Amazon, Facebook, Apple (GAFA). Sie setzen die Regeln im Zeitalter der Plattformen und basteln munter weiter an ihrer oligarchischen Vorherrschaft, die in den nächsten zehn Jahren kaum noch zu brechen sein wird. Wäre da nicht die Blockchain, ein langkettiger silberner Streif am Horizont.

Seit Anbeginn des Internets beobachten wir Angriffe verschiedenster Art gegen Wissensquellen, Werte und Funktionalitäten online, die die Nutzung massiv einschränken. „Das Internet ist kaputt“ hat sich indes und zeitweise fast zum geflügelten Wort entwickelt. Es biete kein eingebautes Protokoll, das vor Manipulation schützt und sei außerdem weit undemokratischer als anfangs gedacht, so der Vorwurf. In der Folge haben sich IT-Plattformen als zentral betriebene und maximal abgeschottete Schauplätze entwickelt, kontrolliert einzig durch die Hand ihres Besitzers. Kleinere Anbieter und Partner dürfen die angebotenen Schnittstellen nutzen, müssen aber dafür zahlen, entweder entgeltlich oder in Form von Preisgabe persönlicher Informationen.

Das Diktat der Plattformmonopolisten

Die Partner und kleinen Anbieter sind die Unterdrückten in dieser Konstellation. Sie fürchten um ihr Geschäftsmodell und müssen sich essentielle Elemente wie die Gewinnspanne vom digitalen Leader diktieren lassen, fast so wie ein Vasall vom Lehensherrn. Während sie unter den oktroyierten Bedingungen der Plattformökonomie schuften, träumen sie aber von einem ganz anderen Szenario: von der Freiheit. Von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit auf Augenhöhe in kollektiv geführten Konsortien, unabhängig und autonom von den mächtigen Plattformherren und zu fairen Konditionen für alle Beteiligten.

Demokratisches Internet of Trust

Was ich mir vorstelle, ist ein manipulationssicheres Internet of Trust mit demokratischen und egalitären Werten. Es soll Betreiber-unabhängig sein, außerhalb der Hoheit des Einzelnen liegen, direkt online und offen zugänglich sein, Produzenten und Konsumenten unter fairen Bedingungen zusammenbringen. Die technische Basis für diese Idee liefert die beinahe unangreifbare Krypto-Architektur der Blockchain. Sie hat das Potential, den gesamten digitalen Raum zu demokratisieren. Bitcoin hat den Stein ins Rollen gebracht und die Ideen drehen sich seither ungebremst weiter. Der Blockchain gehöre die nächste große Revolution, vielleicht sogar die Zukunft, sind sich mittlerweile viele einig. So auch Fritz Joussen, Vorstand von TUI, der sich dazu gegenüber dem Manager Magazin äußerte. Er plädiert dafür, das Feld der Plattformen nicht weiter ein „paar privilegierten Datenbanken [zu überlassen], die sich riesige Margen einverleiben“. Kann die Blockchain die Ketten der Silicon-Valley-Monopolisten brechen?

Meiner Einschätzung nach, weiß der Großteil der Unternehmen heute noch nicht, wo sie beim Thema Blockchain eigentlich ansetzen sollen. Oder haben Sie etwa bereits erste Versuche unternommen, die Blockchain in Usecases zu verproben? Haben Sie bereits einen Anwendungsfall identifiziert, mit dem sie starten können? Gut, aber Vorsicht ist geboten. Auf die Frage, warum gerade dieser Anwendungsfall zwingend eine Blockchain erfordert, sollten Sie eine Antwort parat haben. Wenn Sie die Blockchain im Alleingang betreiben, kann Ihr Argument nur schlecht sein. Das genügt noch nicht mal für rechtsicheres Auditing, da Sie ihre eigene Blockchain leicht manipulieren können.

Auch das kleine partnerschaftliche Konsortium aus drei Partnern mag zwar spezifische Anwendungsfälle zur Zufriedenheit umsetzen, kann dies aber problemlos ganz ohne Blockchain mit einem gemeinsam betriebenen Zentralsystem erreichen. Wirklich überzeugend wird Ihr Konzept erst dann, wenn mehrere oder sogar viele Parteien beteiligt sind, die sich nicht notwendigerweise auch gegenseitig vertrauen. Denn hier spielt die Blockchain ihre wahren Trümpfe aus.

Die Gunst der Stunde

Meiner Überzeugung nach gewinnt eine Blockchain-Infrastruktur nur in mittleren und großen Konsortien Relevanz und Robustheit, so wie es bei Ethereum, Ripple oder R3 der Fall ist. Jetzt ist die Zeit gekommen, sich in Gemeinschaften zu verbünden und die Zukunft gemeinsam in die eigenen Hände zu nehmen. Selbst wenn Sie Blockchain skeptisch sehen, nutzen Sie die Gunst der Stunde Ihre digitalen Prozesse in einem Partnerverbund neu zu denken. Finden Sie Ihre Partner durch eine Beteiligung in Gremien, wie der Bitkom, in Industrieverbänden, in Branchen-Communities. In genau solchen Netzwerken beteiligen wir uns und sehen wie Blockchain-Erstnutzer Verbündete finden, mit denen Sie einen relevanten Anwendungsfall gemeinsam angehen können. Der Traum von der Freiheit der Plattformen muss keine entfernte Utopie bleiben!

Über den Autor

Marco Rose
Marco Rose
Ich beschäftige mich mit der Evolution der Individualsoftware-Entwicklung hin zu industrialisierten Ansätzen mit SaaS und PaaS, außerdem arbeite ich mit Prozessen & Methoden der Continuous Delivery und der Blockchain.

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