IT-Trends-Blog

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Paradigmen der IT: Wie aus Wettbewerbsvorteilen Commodity wird und vice versa (Teil 2)

Kategorie: Digitale Trends

Vielen Dank für Ihre Geduld! Vor einer Woche veröffentlichte ich hier auf dem Blog die Erkenntnisse meiner Analyse der Langzeitdaten unserer IT-Trends-Studie. Ich erkannte drei Denkmuster im Wandel, und beschrieb zwei davon im ersten Teil meines Blogs. Es ging um kurze Release-Zyklen und die verdrehte Wahrnehmung von Produktupdates. Und auch um die überraschende Renaissance der Bedeutung von Infrastruktur. Hier lesen Sie dazu die Details. Heute möchte ich den Faden genau da wieder aufnehmen, wo ich ihn letzte Woche liegen ließ: bei der Prämisse, dass Individualsoftware gleich Innovationskraft bedeutet. Eigentlich ist mittlerweile eher das Gegenteil der Fall. Im Folgenden erkläre ich warum.

Individualsoftware kann Innovationskraft bremsen

Wie sieht es mit anderen Differenzierungsmerkmalen aus? Die Individualsoftware beispielsweise gilt nach wie vor als das Tafelsilber des Unternehmens, das die Kernkompetenzen und das Know-how in Prozessen abbildet. Dementsprechend wird sie intern weiterentwickelt und betrieben, während Hilfsprozesse auch mit Standardsoftware abgebildet werden können. Wandelt sich auch dieser Grundsatz?

Der große Aufwand für die Änderung von Individualsoftware erweist sich inzwischen streckenweise als Hemmschuh für Innovation. Demgegenüber ist die Standardsoftware aus einer Anbieter-Cloud immer auf dem allerneuesten Stand. Sie integriert schnell alle technischen Neuerungen und ist teilweise erstaunlich individualisierbar. Über ihre Architektur, ihre Anbindung an verschiedene Endgeräte und die Integration neuer Services brauchen sich die Kunden der Cloud-Anbieter keinerlei Gedanken zu machen. Und solange der Wettbewerb hart genug ist, wird es an Innovationen wohl auch nicht mangeln. Im Moment zeigen die Ergebnisse der IT-Trends-Studie aber noch keine Mühen seitens der CIOs, die eigenen Entwicklungskapazitäten zugunsten von Anbieter-Cloud-Lösungen herunterzufahren. Im Gegenteil: viele bauen ihre Entwicklungsabteilungen als Antwort auf die Digitalisierung weiter aus.

Tafelsilber ins Bankschließfach anstatt in den eigenen Tresor

Im Hinblick auf den Anwendungsbetrieb kommt jetzt allerdings Bewegung rein. Immer mehr Unternehmen können sich vorstellen, den Betrieb ihrer Individualanwendungen aus der Hand zu geben. Bis vor kurzem hieß die Alternative Outsourcing, nun rücken Cloud-Anbieter auf. Bisher gilt das zwar für weniger als 10 Prozent der in der IT-Trends-Studie befragten CIOs als nennenswerte Erwägung, aber ihre Zahl hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr bereits verdoppelt. Eine Trendwende ist also gut denkbar. Spätestens dann, wenn der Betrieb im eigenen Haus keinen Wettbewerbsvorteil mehr bringt, sondern sich ganz im Gegenteil zur Kostenfalle und Innovationsbremse entwickelt.

Was muss passieren, damit diese Vision Realität wird? Zum einen müssten mehr Individualanwendungen Cloud-fähig werden. Das passiert derzeit ohnehin. Die Daten der IT-Trends-Studie zeigen, dass Unternehmen nicht mehr nur neue Anwendungen in der Cloud betreiben, sondern zunehmend auch ihre alten dahin migrieren. Gleichzeitig beobachten wir gerade auch einen enormen Erfolgskurs von Native-Cloud-Anwendungen. Ein neuer Report von Capgemini bezifferte letzte Woche den Anteil der Apps, die eigens für die Cloud konzipiert sind, auf 15 Prozent heute und auf bereits 32 Prozent im Jahr 2020. Auch hier eine Zunahme um hundert Prozent. Zum anderen müsste das geistige Eigentum des Unternehmens, das im Bau der Individualanwendung steckt, absolut sicher sein und die Anbieter-Cloud der On-Premise-Lösung in Sachen Sicherheit, Effizienz und Kosten den Rang ablaufen.

Flexibilität sichert Wettbewerbsfähigkeit

Was bedeutet das nun für die Zukunft Ihrer Individualanwendungen? Machen Sie sich besser frühzeitig Gedanken darüber, welche konkreten Vorteile Sie aus dem Betrieb in der Public Cloud ziehen könnten beziehungsweise welche Kriterien die Angebote der einzelnen Provider erfüllen müssten, damit Sie auf Ihre Bedürfnisse passen. Beobachten Sie den Markt und entwickeln Sie einen Plan für die Umstellung, so dass Sie wenn es so weit ist nicht bei null anfangen müssen. Behalten Sie im Hinterkopf, dass möglicherweise auch dieses Paradigma, Individualsoftware selbst zu entwickeln und zu betreiben, in einigen Jahren passé sein könnte. Denn einige CIOs gehen jetzt schon in diese Richtung und ich gehe davon aus, dass sie ihre Gründe dafür haben.  

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema und welche Paradigmen sehen Sie gerade im Wandel?

 

Über den Autor

Jan-Malte Prädel
Jan-Malte Prädel
Digitalisierung wird nicht ohne Grund auch als vierte industrielle Revolution bezeichnet. Mich interessiert insbesondere, wie Unternehmen hiermit bestmöglich umgehen sollten – inhaltlich, organisatorisch und strategisch.

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