IT-Trends-Blog

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Paradigmen der IT: Wie aus Wettbewerbsvorteilen Commodity wird und vice versa (Teil 1)

Kategorie: Digitale Trends

Etablierte Denkmuster sind im Umbruch und mit ihnen verschieben sich IT-basierte Wettbewerbsvorteile. Ich sehe hierfür drei wesentliche Anzeichen:

  • Kurze Release-Zyklen sprechen für hohe Kundennähe und bedeuten längst keine Qualitätsmängel der Software mehr
  • Infrastruktur gilt dank der Effizienzgewinne durch die Cloud nicht mehr als teurer Showstopper, sondern als Agilitätstreiber der Anwendungslandschaft
  • Nutzer von Standardanwendungen sind in passiver Weise oftmals schneller an Innovationen beteiligt als mit eigenen Individualanwendungen, weil Softwarefirmen sie immer wieder aktualisieren

Unternehmen und insbesondere CIOs haben angesichts dieser tiefgreifenden Veränderungen nicht nur die Chance, sondern auch die Pflicht, ihren Beitrag zur Wertschöpfung und Wettbewerbspositionierung zu überdenken. In jüngster Vergangenheit haben viele neue und extrem stark wachsende Marktteilnehmer in etablierten Branchen diese Denkmuster sehr geschickt in ihren Vorteil umgemünzt – sicherlich auch in Ihrem Umfeld.

Paradigmen ändern sich

Früher war es ein Qualitätsmakel, wenn eine eben erst neu entwickelte Software innerhalb  einiger Monate wieder aktualisiert werden musste. Heute ist es anders herum. Heute ist es ein Zeichen mangelnder Wertigkeit, wenn eine neu entwickelte Software nicht permanent angepasst werden kann. Und so wie die Paradigmen, wandeln sich auch die Wettbewerbsfaktoren: IT, die heute noch das strategische Ass im Ärmel ist, kann morgen schon Commodity sein. Als CIO muss man solche Veränderungen möglichst früh erkennen, um rechtzeitig reagieren zu können. Denn eine Neuausrichtung geht nicht von heute auf morgen. Deshalb habe ich mir die Langzeitdaten der IT-Trends-Studie angeschaut. Ich wollte herausfinden, wann und warum so ein Wandel stattfindet und welche neuen Wettbewerbsfaktoren sich in den Daten abzeichnen. Hier meine Ergebnisse:

Überraschend: Die Renaissance der Infrastruktur

Ich glaube eine der überraschendsten Trendwenden ist die wiedergeborene Bedeutung der Infrastruktur. Vielleicht können Sie sich noch an die Zeit erinnern, als von der Kapazität und Geschwindigkeit der Hardware unglaublich viel abhing. Sie war nicht nur einer der Bremsblöcke für die Transaktionsgeschwindigkeit, sondern auch extrem teuer. Damals war Infrastruktur noch ein Wettbewerbsfaktor. Das änderte sich aber mit fallenden Preisen und steigender Performance. Seither ist die Infrastruktur ein Stück weit von der Bildfläche der CIOs verschwunden. Die Software hat ihr in der Zwischenzeit die Show gestohlen und steht nun im Mittelpunkt.  Die Hardware, auf der sie läuft, wurde Commodity.

2017 stieg die Bedeutung von Infrastruktur gemäß der Umfrageergebnisse allerdings wieder an. Warum? Weil agile Entwicklung, Tests und Implementierung mittlerweile strategische Wettbewerbsfaktoren sind. Um sie vernünftig aufzubauen brauchen Unternehmen Kapazitäten, die sich schnell an- und abschalten lassen, entweder in den eigenen Rechenzentren beziehungsweise der eigenen Cloud oder alternativ beim Provider. Außerdem soll Infrastruktur vorzugsweise als automatisierter Self-Service zur Verfügung stehen, der die jeweils erforderlichen Sicherheits- und Datenschutzanforderungen automatisch erfüllt. All das ist aber lange noch kein Standard, sondern derzeit eher das Zünglein an der Waage. Wer hätte gedacht, dass Infrastruktur noch einmal so viel Aufmerksamkeit bekommt?

 

Entschuldigen Sie, lieber Leser, die Unterbrechung an dieser Stelle. Aber hier ziehe ich für heute die Grenze. Den zweiten Teil meines Beitrags veröffentliche ich nächsten Freitag. Darin schaue ich genauer auf den dritten von mir identifizierten Paradigmenwechsel: Individuell heißt nicht mehr gleich innovativ, sondern kann genau das Gegenteil bewirken. Was das für die Zukunft der Individualsoftware bedeutet und für die in-Haus betriebene Anwendungslandschaft, darum geht es genau hier in einer Woche. Bleiben Sie gespannt!

Über den Autor

Jan-Malte Prädel
Jan-Malte Prädel
Digitalisierung wird nicht ohne Grund auch als vierte industrielle Revolution bezeichnet. Mich interessiert insbesondere, wie Unternehmen hiermit bestmöglich umgehen sollten – inhaltlich, organisatorisch und strategisch.

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