IT-Trends-Blog

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Zeig mir deine Daten: Warum Geheimniskrämerei im Big-Data-Zeitalter keine gute Idee ist

Daten sind im Zeitalter der Digitalisierung das neue Gold. Dementsprechend wohl behütet lagern die Informationsschätze in den Tresoren der Marktteilnehmer. Für die Zukunft mag das aber nicht die beste Strategie sein, denn Abschottung könnte mehr Wettbewerbsvorteile vernichten als schaffen. Deshalb sollten sich CIOs frühzeitig Gedanken über die Kompatibilität ihrer Dateninfrastrukturen machen.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Der Roboter der Herstellers X verschraubt Muttern der Lieferanten Y im Werk des Herstellers Z. Wenn zu viel Ausschuss produziert wird, geht der Hersteller auf Fehlersuche. Er kontaktiert vielleicht den Roboter-Hersteller, aber der benötigt viele Informationen über die Muttern, die Lage des Werkstücks und so weiter, bis er etwas zu den Fehlern sagen kann. Der Lieferant der Muttern wiederum weiß nicht, mit welchen Einstellungen der Roboter seine Produkte verbaut. Er kann dementsprechend auch nur raten, woran es liegen könnte, da die Muttern den vorgegebenen Spezifikationen entsprechen.

Nach einer Zeit beschließen alle drei eine Kooperation: Sie gewähren den anderen Teilnehmern der Lieferkette Einsicht in Konstruktions-, Material- und Echtzeit-Informationen aus der Produktion. Auf diese Weise können sie das Drehmoment der Muttern und die Lage der Schrauben optimieren und den Ausschuss erheblich reduzieren. 

Big Data steht am Wendepunkt

So eine Kooperation ist ein ähnlich großer Schritt nach vorn wie damals die Einführung der Just-in-time-Produktion. Sie ähnelte einer kleinen Revolution und war nur möglich, weil sich Lieferanten und Abnehmer aufgrund neuer Kommunikations- und Datenaustauschmethoden enger verzahnen konnten. Unter dem Strich sparten alle Beteiligten Lager- und Logistikkosten und erhöhten die Produktivität − und das war die Sache offensichtlich wert.

Jetzt ist die Situation meiner Meinung nach ähnlich: Mit den detaillierten Sensordaten könnten viele Produktionsschritte weiter optimiert werden, sofern die Informationen allen an der Lieferkette beteiligten Unternehmen zur Verfügung stünden. Das tun sie häufig aber nicht – entweder weil Unternehmen ihre Daten nicht an andere weitergeben wollen oder weil die Dateninfrastrukturen zu unterschiedlich sind, um sie gemeinsam zu nutzen.

Compliance-Anforderungen effizienter erfüllen

Solche Informationspools sind nicht nur für das produzierende Gewerbe und deren Zulieferer interessant, sondern alle Unternehmen regulierter Branchen. Denn im Rahmen der Aufsicht fragen Behörden immer wieder Informationen ab, anhand derer sie beispielsweise im Rahmen der Stresstests von Banken deren Krisenanfälligkeit bewerten. Die Daten müssen meistens relativ kurzfristig zusammengestellt werden und Nachbesserungen sind in der Regel keine Option. Die Aufbereitung ist aufwendige und mehrfache Arbeit, denn jedes Institut macht das für sich. Denkbar wäre, dass sie stattdessen einem Treuhänder Zugriff auf ihre Daten geben, der dann die Analysen zentral durchführt. Der Vorteil für das Unternehmen läge in dem deutlich geringeren Aufwand, sobald das Datenmodell einmal an einen allgemeinen Standard angeglichen ist.

Branchenfremdem Wettbewerb die Grundlage entziehen

Kooperationen im Zusammenhang mit Daten können auch vor branchenfremder Konkurrenz schützen. Technologie-Unternehmen haben schön häufiger einen Markt revolutioniert, ohne viel Erfahrung im eigentlichen Geschäft zu haben. Denken Sie beispielsweise an Uber, AirBnB und Amazon. Einem solchen Fall vorgebeugt haben deutsche Automobilhersteller mit dem gemeinsamen Kauf von Nokia Here. Auf diese Weise wurden sie von einer Kooperation mit Technologiekonzernen unabhängiger und schufen gegenüber ausländischen Automobilherstellern einen Wettbewerbsvorteil. Hätte jeder Konzern für sich Kartenmaterial kaufen müssen, wäre das wahrscheinlich teurer gekommen.

Eine gemeinsame Dateninfrastruktur und Standards sind der Schlüssel zu solchen Kooperationen. Als Basis könnte XML dienen. Dann muss noch die Compliance und die Sicherheit geklärt werden. Um gut auf solche Projekte vorbereitet zu sein, sollten CIOs meiner Meinung nach heute schon ihre Dateninfrastruktur auf Standards ausrichten und sich mit Kollegen austauschen. Aber wie sehen Sie das? Sind Sie schon in solche Projekte involviert oder gibt es Diskussionen darüber? Wie wollen Sie das Problem lösen?

Über den Autor

Fabian Schladitz
Fabian Schladitz
Als Head of Big Data bei Capgemini in Deutschland unterstütze ich Kunden in verschiedenen Phasen der Entwicklung von Big Data Projekten – von der Strategie über die Organisation bis hin zur Umsetzung. Gleichzeitig leite ich die Unit Big Data Analytics und entwickle Mitarbeiter sowie unser Leistungsportfolio in diesem Themengebiet.

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