Vorteile in Milliardenhöhe durch das neue EU Open-Data-Portal

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Zwei Capgemini Consulting Studien verdeutlichen den Wert von Open Data

Berlin, 18. November – Capgemini Consulting, der globale Strategie- und Transformationsberatungsarm der Capgemini-Gruppe, veröffentlichte heute passend zum Start des Offenen Datenportals der Europäischen Union zwei neue Studien über den aktuellen Stand öffentlicher Daten in Europa. Die erste Studie beschäftigt sich mit „Open Data Reife in Europa 2015: Erkenntnisse zum aktuellen Stand“. Die zweite Studie betrachtet den „Mehrwert durch Open Data: Untersuchung zu den Auswirkungen der Wiederverwendung öffentlicher Datenressourcen“. Zu den im Rahmen der Studie untersuchten Ländern zählen die Staaten der EU-28 plus Island, Liechtenstein, Norwegen und Schweiz – üblicherweise als EU-28+ bezeichnet. Die Studien wurden von der Europäischen Kommission im Rahmen des Connecting-Europe-Facility-Programms, das den Ausbau einer europäischen Open-Data-Infrastruktur unterstützt, in Auftrag gegeben.

Der Begriff Open Data bezieht sich auf jene Informationen, die von öffentlichen Institutionen gesammelt, generiert oder gekauft wurden und von jedermann frei genutzt, modifiziert und geteilt werden dürfen. Das unmittelbare Marktvolumen für Open Data wird für den Zeitraum von 2016 bis 2020 für Europa auf rund 325 Milliarden Euro geschätzt. In Deutschland schätzt man den Wert 2020 auf über fünf Milliarden Euro. Die Capgemini-Studie „Mehrwert durch Open Data“ skizziert, wie Open Data auf verschiedene Art und Weise wirtschaftlichen Nutzen generieren kann. Dazu zählen steigende Markttransaktionen, neue Arbeitsplätze im Zusammenhang mit Open-Data-Services und -Produkten sowie Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen. Laut Studie erwartet man, dass es im Jahr 2020 in Deutschland 18.000 Arbeitsplätze geben wird, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Open-Data-Nutzung stehen. Der gezielte Einsatz von öffentlichen Daten könnte zum Beispiel auch dazu beitragen, rund 629 Millionen Stunden Stau auf den Straßen der EU zu vermeiden, oder den Energieverbrauch um etwa 16 Prozent zu reduzieren. Durch eine voll ausgebaute Nutzung von Open Data werden die gesamten Einsparungen für öffentliche Einrichtungen in der EU-28+ im Jahr 2020 auf 1,7 Milliarden Euro geschätzt. Deutsche öffentliche Organisationen könnten mit rund 296 Millionen Euro 2020 die höchsten Einspareffekte in Europa erzielen.

Mit dem Start der Beta-Version des europäischen Datenportals beabsichtigt die EU sowohl den Zugang zu Open Data zu erleichtern, als auch dessen Potenzial zu heben. Das Portal berücksichtigt dabei alle Aspekte der Daten-Wertschöpfungskette von der Datengenerierung bis zur Weiterverwertung. Dabei umfasst die Datenbank des Portals mehr als 240.000 Datensätze und 34 europäische Länder. Es bietet einen nahtlosen Zugriff auf öffentliche Daten aus ganz Europa, die auf Grundlage von 13 Kategorien eingeordnet werden, von Gesundheit über Bildung oder Logistik bis hin zu Wissenschaft und Rechtswesen. Ganz gleich ob Strafregisterauszüge aus Helsinki, die Arbeitsplatzmobilität in den Niederlanden, Forstbetriebskarten aus Frankreich oder die Auswirkungen der Digitalisierung in Polen – das thematische Spektrum der Datensätze ist breit gefächert. Dabei kann jedermann, ganz gleich ob Bürger, Journalist, Unternehmen oder Verwaltungsorgan, auf diese Datensätze zugreifen und sie beliebig weiterverwenden.

Wie weit sind europäische Länder bei der Implementierung von Open Data?

Die Fortschritte bei der Implementierung von Open Data beurteilt die Studie „Open Data Reife in Europa 2015“ anhand zweier Indikatoren: Open-Data-Bereitschaft und den Reifegrad des Portals. Diese beiden Indikatoren umfassen sowohl den Entwicklungsstand nationaler Open-Data-Richtlinien als auch eine Beurteilung der in nationalen Portalen angebotenen Funktionen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die EU-28+ bisher erst 44 Prozent des Weges hin zu einer ausgereiften Open-Data-Reife hinter sich gebracht haben und dass es darüber hinaus große Unterschiede zwischen den Staaten gibt. Im Vergleich zeigt sich, dass ein Drittel (32%) der europäischen Staaten mit verlässlichen Richtlinien und Lizenzregelungen eine Vorreiterrolle einnehmen. Unter den führenden Staaten befindet sich auch Deutschland, das  bereits 2013 ein nationales Portal eröffnet hat. Generell haben die Vorreiter gute Portal-Besucherzahlen und führen eine ganze Reihe von Initiativen und Veranstaltungen durch, in denen die Vorteile von öffentlich verfügbaren Daten erläutert werden.

Marc Reinhardt,  Leiter Public Sector bei Capgemini in Deutschland, äußert sich folgendermaßen: “In unserer durch zunehmende Vernetzung geprägten Welt, benötigen sowohl Bürger als auch Unternehmen zur Unterstützung der Entscheidungsfindung bessere, schnellere und umfassendere Einblicke. Dieses Portal kann genau das leisten. Open Data kann aber auch der Schlüssel zur besseren Kooperation und Vernetzung von Behörden selbst sein, die nun auf gemeinsame offene Daten zugreifen und diese nutzen können.

Wir freuen uns sehr, mit der Europäischen Kommission gemeinsam günstige politische Rahmenbedingungen für Open Data, die zu erwartenden Auswirkungen, die Entwicklung entsprechender Portale und deren Reife sowie die Haupthürden, die es dabei zu überwinden gilt, zu ermitteln. Diese Studie soll dabei als Wissensbasis dienen, um dem Netzwerk europäischer Experten neue Diskussionsanreize und Impulse für ihre Strategien und Aktivitäten zur Förderung von Open Data zu geben.

Deutschland kann dabei eine zentrale Rolle spielen und durch die zunehmende Verbreitung von Transparenz-Gesetzen und länderspezifischen Open-Data-Initiativen seine Position im europäischen Vergleich in den kommenden Jahren sicher noch weiter verbessern.“

Empfehlungen

  • Die Studie enthält eine Reihe von Empfehlungen, mit denen sich die Implementierung von Open Data in den Staaten der EU-28+ beschleunigen lässt:
  • Das Bewusstsein auf Seiten von Bürgern und Unternehmen für Open Data sollte geschärft werden.
  • Der Zugriff auf die Daten sollte möglichst kostenlos sein, um deren Wiederverwendung attraktiver zu gestalten.
  • Entsprechende Portale sollten über einen erweiterten Funktionsumfang verfügen, um die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen und zur erneuten Nutzung anzuregen.
  • Die Potenziale der Nutzeranalyse sollten vollständig genutzt werden, um mehr darüber zu erfahren, wer die Portale zu welchem Zweck nutzt. Darauf aufbauend sollten dann die angebotenen Inhalte und Dienste erweitert werden.
  • Es bedarf nationaler Richtlinien, um lokale Initiativen bei möglichen Problemen wie etwa im Hinblick auf Schwerpunktbereiche und der Frequenz bei der Datenermittlung unterstützen zu können.
  • Der Erfolg einer Open-Data-Initiative sollte stets beurteilt werden, um sowohl die bestehenden Vorteile als auch entsprechende Möglichkeiten zur Verbesserung zu identifizieren.

Der Start des europäischen Datenportals erfolgt im Auftrag der Europäischen Kommission unter Federführung von Capgemini Consulting in Zusammenarbeit mit dem Open Data Institute (ODI), Intrasoft International, Time lex, Sogeti, der University of Southampton, con terra und Fraunhofer Fokus.

Weitere Informationen und einen Link zur vollständigen Studie finden Sie hier:

Capgemini verfügt über ein dezidiertes globales Insights & Data Team mit mehr als 11.000 Experten in 40 Ländern, um Unternehmen mit einem Mix aus Technologiekompetenz, Data Science und Geschäftsexpertise dabei zu helfen, wertvolle Erkenntnisse aus ihrem Datenmaterial zu gewinnen.