World Payments Report: Debit-Karten und Mobile Payment gewinnen zunehmend Marktanteile

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Zahlungen über Debit-Karten gewinnen zunehmend und zulasten von Kreditkarten an Bedeutung. Darüber hinaus zeigt der Einsatz von Electronic Payment (E-Payment) wie auch Mobile Payment (M-Payment) einen weiterhin exponentiellen Verlauf. So lauten die Ergebnisse der Ausgabe 2012 des World Payments Reports von Capgemini, der Royal Bank of Scotland (RBS) und der Bankenvereinigung Efma.

Auf zwei weitere große Entwicklungen geht der Report ein: Das Verhältnis von Regulation und Innovation und die Tatsache, dass eine kombinierte Sicht auf die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) nicht mehr zielführend ist. So hat Brasilien mit 20 Milliarden bargeldlosen Zahlungen inzwischen die weltweit zweithöchste Anzahl hinter den USA, während die drei anderen BRIC-Staaten gemeinsam auf nur 13,1 Milliarden Zahlungsverkehrstransaktionen kommen.


Insgesamt bestätigt der Report das anhaltende Wachstum der Anzahl der Zahlungstransaktionen. Die weltweite Zahl stieg 2010 um 7,1 Prozent auf 283 Milliarden und erste Indikatoren für 2011 zeigen ein Wachstum von 8,2 Prozent. In den Schwellenländern lag die Wachstumsrate mit 16,9 Prozent noch sehr viel höher, vor allem getrieben vom Zuwachs von mehr als 30 Prozent in Russland und China.


Zunahme von Zahlungen per Debit-Karten und M-Payment

Immer mehr Konsumenten nutzen Zahlungsmöglichkeiten über E-Payment, M-Payment oder die Debit-Karte. Neue Angebote der Zahlungsverkehrsunternehmen werden sich also sehr stark auf diese Zahlungsmethoden konzentrieren. Nach Angaben von Branchenanalysten gab es 2011 geschätzte 28,3 Milliarden Transaktionen im E- und M-Payment und 2010 wurde laut Report mehr als jede dritte bargeldlose Zahlung per Debit-Karte getätigt (+15,2 Prozent). Allerdings nutzen erst 2,1 Prozent der Besitzer von Mobilgeräten die Zahlungsfunktion, was auf ein sehr großes Wachstumspotenzial deutet: Erwartet werden im Jahr 2013 rund 17 Milliarden M-Payment und etwa 31,4 Milliarden E-Payment Transaktionen „Guthaben-basierte Transaktionen legen auf Kosten anderer Zahlungsmethoden zu. Es ist ein bequemer Ersatz für Bargeld. Durch die verstärkte Nutzung von Mobile- oder Electronic Payments werden wir einen deutlichen Zuwachs an innovativen Zahlungslösungen in diesem Bereich sehen“, so Kevin Brown, Global Head, Transaction Service Product, International Banking, bei der RBS.


Regulation kann Hindernis wie auch Förderer von Innovation sein

Der World Payments Report geht auch auf das Verhältnis von Regulation in Bezug auf die Innovationsfähigkeit von Banken bei Kundendienstleistungen ein. Teilweise ausgelöst durch die Finanzkrise in der Eurozone erfüllen die Banken schneller als erwartet die Ziele von Basel III. Allerdings geht das auf Kosten der Innovationsfähigkeit, da dafür nun die Kapazitäten fehlen. Klaus-Georg Meyer, Leiter des Bankengeschäfts bei Capgemini Consulting: „Die Regulierung von neuen Zahlungsverkehrsinstrumenten darf nicht geografisch isoliert betrachtet werden. Sie muss zum Ziel haben, Innovation zu ermöglichen und auch für die Kunden Vorteile über die Branchengrenzen hinaus bringen.“


Nach den Innovationsfeldern gefragt, nannten mehr als zwei Drittel den Bereich der Kundenbindung und –Akquise. Hier zeigt sich allerdings, dass sich beim Kundenservice die Banken größeren Herausforderungen gegenübersehen als ihre Wettbewerber aus dem Nicht-Banken-Umfeld, die weitaus weniger Regularien unterliegen.


Laut Report sind die Institutionen Zahlungsverkehrsinnovatoren, die ein tiefes Verständnis von den Bedürfnissen ihrer Kunden haben und gleichzeitig auch überhaupt die Innovationsfähigkeit besitzen. Als Beispiel wird der japanische Telekommunikationsanbieter NTT Docomo genannt, der sehr schnell eine kritische Masse an 35 Millionen Nutzer (etwa die Hälfte des Marktes) für sein Angebot eines Mobile Wallet erreichte. Osaifu-Keitai, wie die elektronische Geldbörse in lokaler Sprache heißt, ist ein zahlungsähnliches Angebot, das mit Hilfe entsprechender Mobilfunkgeräte Dienstleistungen anbietet, die weit über reine berührungsfreie Zahlungen hinausgehen: Eingeschlossen sind „elektronisches Geld“, eine Identifikationskarte, Bonuskarten, Fahrscheine für den öffentlichen Verkehr (Bahn, Bus, Flugzeug) sowie eine Kreditkartenfunktion. Da der Anbieter auf offene Standards setzt, auf existierenden Zahlungsinstrumenten wie Kreditkarten baut und Bonusprogramme wie auch Kundenbeziehungsmanagement für Händler mit einbezieht, hat sich das Angebot über den Zeitraum von acht Jahren hinweg als erfolgreich erwiesen.


BRIC-Staaten mit unterschiedlicher Entwicklung

Weltweit gesehen konzentriert sich weiterhin die Zahl der bargeldlosen Transaktionen auf die Industrieländer. Nordamerika, Europa und die entwickelten asiatischen Staaten stehen für 79,5 Prozent des weltweiten Volumens. Der Block der BRIC-Staaten triftet dabei in der Entwicklung auseinander: In Russland und China steigen die Transaktionen um mehr als 30 Prozent; Brasilien ist inzwischen die zweitgrößte Nation hinter den USA was die Zahlungstransaktionen angeht; In Indien steigen die Zahlungsverkehrstransaktionen um rund 10 Prozent mit großem Potenzial in der Zukunft, allerdings bildet das Land das Schlusslicht unter den BRIC-Staaten. „Das Kürzel BRIC als Synonym für Staaten mit ähnlicher Entwicklung gilt für den Bereich des Zahlungsverkehrs nicht mehr. Die Länder müssen aufgrund ihrer unterschiedlichen Entwicklung einzeln betrachtet werden. Das gilt insbesondere für Brasilien, das nun mehr Zahlungstransaktionen aufweist als jedes europäische Land“, erläutert Patrick Desmarès, Generalsektretär der Efma.