Wenn App im Handel, dann mit iBeacons!

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von Johannes Eiseler

Dem Hype um Social Media folgt bereits die Ernüchterung: Kunden legen immer weniger Wert darauf, jeder Marke auf Twitter, Facebook und noch im eigenen Blog zu folgen. Zu viele Marken, zu viele Kanäle. Wie die Digital-Shopper-Relevancy-Studie, eine Befragung von 18.000 Konsumenten weltweit durch Capgemini, belegt, kaufen die Kunden immer noch am liebsten im Laden (72 Prozent), wenn auch dicht gefolgt vom Online-Shopping (67 Prozent). Gleichzeitig bestätigt die Studie den Trend zum Smartphone-Shopping. Ein Widerspruch? Nein. Aber es gibt offenbar Raum für neue Ideen.

Fast jeder zweite Deutsche hat inzwischen ein Smartphone, fand der Bitkom heraus. Um noch mehr Käufer und Geschäftsmodelle zu erschließen, entwickeln daher Firmen wie Apple neue Einsatzmöglichkeiten wie Apple Pay. Ein weiteres, bisher weniger bekanntes Feature sind iBeacons. Diese senden Bluetooth-Signale, die vom Smartphone einer App zuordnet werden – etwa einem Sale im Lieblingsladen oder einem Gewinnspiel im Einkaufszentrum auf dem Heimweg. Mit iBeacons sind ganz neue Möglichkeiten der Kundenansprache und -bindung möglich- hier drei Beispiele.
 

 

Spiel, Spaß und Umsatzsteigerung in Einkaufsstraße und Supermarkt

Ist nun am Ende der Einkaufsstraße der Handy-Akku leer, weil es an jedem Ladeneingang bimmelt und vibriert? Vom Gang der Gemüsetheke bis zum Nudelregal ganz zu schweigen. Die Antwort ist ein klares Nein, denn mit Beacons hat der Kunde das Heft in der Hand: Will der Händler Daten von ihm, muss er einen echten Mehrwert bieten, sonst installiert der Kunde die benötigte App gar nicht erst. Diese Herausforderung ist jedoch geringer als sie zunächst klingt – manchmal ist diese App bereits vorhanden und müsste nur aufgerüstet werden.

Die App informiert den Kunden, wenn es ein entsprechendes iBeacon in der Nähe registriert. Ein Händler könnte also einfach den Kunden im Laden auf Sonderaktionen hinweisen, wenn er in die Nähe kommt. Allerdings steht zu befürchten, dass das bloße Hinweisen auf jedes Sonderangebot den Kunden schnell nervt. Geschickter wäre es, zum Beispiel am Eingang den Kunden eine Auswahl treffen zu lassen und ihn dann mittels Indoor-Navigation zu den betreffenden Angeboten zu führen. Mit etwas mehr Aufwand lassen sich noch spannendere Szenarien entwickeln, etwa eine Schatzsuche, aufgebaut  wie eine Schnitzeljagd oder „Geo-caching“, verbindet Unterhaltung und Werbung und könnte damit die „Männerecke“ in der Damenschuhabteilung ablösen.
 

 

Überblick im Autohaus bewahren

Durch die ständig wachsende Palette an Varianten- und Sonderausstattungen vergrößern sich zum einen Auswahl und Umsatzchance im Autogewerbe, andererseits aber auch die Komplexität beim Autoverkauf. Hier können iBeacons unterstützen: Da die App des Autohändlers dank iBeacon weiß, vor welchem Auto sich der Kunde gerade befindet, kann sie interessante Informationen zum Fahrzeug generieren. Eine ausgefeiltere App kann dank Augmented Reality sogar die Alu-Felgen und das Wurzelholz-Armaturenbrett gleich über das echte Auto blenden und so Wünsche wecken, von denen der Kunde noch gar nicht wusste, dass er sie hat. Sollte das gewünschte Modell nicht in Sichtweite sein, kann die App den Kunden direkt zum richtigen Auto lotsen. Idealer Weise bietet der Autohändler dafür künftig hauseigene Pads zur Ausleihe, da die Datenmenge von Konfiguratoren, hochauflösenden Katalogen, Videos oder Augmented-Reality-Anwendungen recht groß ist.
 

Win-Win-Situation für Flughäfen und Reisende

Am Flughafen haben Beacons eigentlich nur Vorteile: Oft haben Passagiere schon die App der Fluggesellschaft installiert, um Verspätungen und letzte Änderungen des Gates immer im Blick zu haben. Durch ein Update dieser App werden Fluggäste künftig positions- und kontexktabhängig unterstützt, sowohl Vielflieger als auch Fluganfänger: Ab dem Betreten des Flughafengeländes weist die App den Weg zur nächsten Station, vom Einchecken über die Sicherheitskontrolle bis zur Senator Lounge oder dem Duty Free Shop am Gate. Das allwissende Programm in der Hosentasche berechnet sogar, ob noch Zeit für Weihnachtsshopping bleibt oder es nur für einen schnellen Kaffee in der Lounge reicht.

Eine App mit Beacons schlägt hier mehrere Fliegen mit einer Klappe: Mehr Passagiere werden rechtzeitig das Gate erreichen. Durch den genauen Überblick, wo sich Passagiere am Flughafen aufhalten, kann die Fluggesellschaft nun bereits vorab berechnen, ob es alle Passagiere pünktlich zur Maschine schaffen und die Ansprache „verirrter Schafe“ kann gezielter erfolgen. Damit ist das Hauptziel der Fluggesellschaft erreicht. Last but not least lassen sich mit den gewonnenen Bewegungsdaten die Wege am Flughafen noch einfacher optimieren: Angefangen bei häufigen Irrwegen aufgrund mangelnder Hinweise bis hin zur schnelleren Sicherheitskontrolle dank der “Just in Time“-Berechnung.
 

„No Rocket Science“: Der technische Hintergrund

Als Voraussetzung muss der Betreiber die iBeacons installiert und mit seiner Kennung versehen haben. Weiterhin benötigt er für jedes Betriebssystem eine App und sinnvollerweise auch noch ein Backend zur Kommunikation mit der App. Der Benutzer muss über ein Smartphone verfügen und sein Bluetooth aktivieren, bevor er die App nutzen kann. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, lauscht  das Smartphone nach iBeacons. Wird das Signal eines iBeacons empfangen, startet das Smartphone die App des Betreibers und übergibt die Kennung und Signalstärke der iBeacons. Je nach Ausbaustufe kann jetzt die App den Raum oder die Position des Benutzers im Raum berechnen. Da der Anbieter nur über eine App und deren Kommunikation mit dem Backend Informationen erhalten kann, ist es sinnvoll, beim Einsatz von iBeacons gleichzeitig ein kostenloses WLAN zur Installation der App und der Kommunikation der App mit dem Backend anzubieten. Dies ist am besten auch mit einer geeigneten Werbemaßnahme für die iBeacon-Anwendung verbunden, denn ohne die Benutzeraktion zur Installation der App funktioniert die Technik nicht. Eine Alternative dazu wäre die Ausgabe von Leihgeräten, was sich etwa in Verkaufsräumen oder Museen anbietet. Der Hauptaufwand der technischen Seite liegt also klar beim Erstellen der App und den dazugehörigen Backbones. Die Kosten für die iBeacons sind dagegen schon fast zu vernachlässigen.
 

Einmalige Vorteile für den Handel

Indoor-Navigation zur Osterzeit, Gamification im Advent, kontextbasierter Support im Fachhandel – mit iBeacons werden zahlreiche Trends und Schlagworte zu spannenden Mitteln für die Steigerung von Umsatz und Kundenzufriedenheit.

Die von Apple sehr kundenfreundlich gestaltete Implementierung zwingt den Anbieter zunächst, sich sehr genau Gedanken über den Kundennutzen zu machen. Nur so erhält er im Gegenzug Daten über den Benutzer. Dass der Kunde aktiv eine App installieren muss, ist zunächst eine Hürde, mit dem Kundennutzen steht und fällt daher der Einsatz der Technik. iBeacons eignen sich vor allem dann, wenn der Betreiber auf einer größeren Fläche Kunden gezielt abhängig von ihrer Position ansprechen oder in bestimmte Bereiche lenken will. Bietet der Betreiber bereits eine App an, sind die Voraussetzungen ideal, um den Kunden mit neuen, spannenden und interaktiven Inhalten anzusprechen. Da durch den Einsatz von iBeacons die Position des Kunden auf einer Verkaufsfläche bekannt ist, sind sie eine wertvolle Unterstützung, um die Kundenansprache nun gezielt statt auf „gut Glück“ durchzuführen.  

Autor: Johannes Eiseler ist Mobile-Experte bei Capgemini mit mehr als fünfzehn Jahren Erfahrung in der IT-Branche und einem Faible für den Bereich Mapping und Augmented-Reality-Apps.

Info: was sind eigentlich „iBeacons“?

„iBeacon“ ist ein von Apple geschützter Begriff, die Funktionalität kann aber auch von Android-Systemen genutzt werden, je ab iOS 7 beziehungsweise Version 4.3. Die deutsche Übersetzung „Leuchtfeuer“ beschreibt die Funktionsweise recht gut: Ein iBeacon sendet ein Funksignal via Bluetooth Low Energy, kann aber selbst keine Signale empfangen. Die Verarbeitung des Signals findet auf dem Gerät des Nutzers statt, die Reichweite beträgt bis zu 30 Meter. Der Stromverbrauch eines iBeacon ist so niedrig, dass eine Batterieladung zwischen einem halben und mehreren Jahren hält. Dank der einfachen und günstigen Installation eignen sie sich hervorragend als Marketinginstrument sowohl zur gezielten Information des Kunden, als auch zum Tracking des Kundenverhaltens.

 

Fachartikel von Johannes Eiseler, Projektleiter bei Capgemini und Experte für Mobile. Der Text erschien zuerst im eCommerce Magazin vom 11.12.2014 und steht online auf http://www.e-commerce-magazin.de