World Wealth Report 2013: Regulatorische Veränderungen erhöhen Investitionsbedarf

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Anzahl, Geschwindigkeit und Kosten regulatorischer Änderungen sind die größten Herausforderungen für Unternehmen in der Vermögensverwaltungsbranche
Frankfurt, 18. Juni 2013 – Umfang und Geschwindigkeit der regulatorischen Änderungen stellen die größten Herausforderungen für Dienstleister im Bereich der Vermögensverwaltung dar. Dies liegt an der Komplexität, mangelnder regulatorischer Einheitlichkeit, den steigenden Compliance und Nicht-Compliance-Kosten sowie gestörten Kundenerfahrungen. Dies zeigt der diesjährige World Wealth Report 2013 (WWR) von Capgemini und RBC Wealth Management. Während viele Unternehmen taktische Investitionen tätigen, um die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen, werden weitere strategische Entscheidungen[1] für mögliche Business Transformationen und für zukünftiges Wachstum, bei gleichzeitiger Minimierung negativer Auswirkungen auf die Kunden, ausschlaggebend sein.
 
„Die Finanzkrise veranlasst Regulierungsbehörden zu zusätzlichen Schritten, damit zum einen sichergestellt wird, dass die Kunden gut beraten werden und zum anderen Wealth-Management-Unternehmen Vorschriften erfüllen, um die Integrität des Marktes zu fördern“, erklärt M. George Lewis, Group Head bei RBC Wealth Management & RBC Insurance. „Gleichzeitig stellt die Menge der regulatorischen Veränderungen Unternehmen vor die Herausforderung, Schritt zu halten und Störungen zu verringern, die bei Kunden, die einen schnittstellenfreien und integrierten Ansatz zur Verwaltung ihres Vermögens bevorzugen, auftreten können. Zukünftig sollten Unternehmen die Auswirkungen der Rechtsvorschriften auf ihre Serviceleistungen durch die Einstellung und Bindung von Spitzenkräften minimieren. Ziel sollte es sein, strategisch in Bereiche wie Ausbildung und Technologie zu investieren und eine Compliance-Kultur auf allen Unternehmensebenen zu implementieren.“
 
Compliance und Bottom Line
Regionale Unterschiede bei Regulierungsvorschriften stellen eine Herausforderung für globale Unternehmen dar und beeinflussen ihre Möglichkeit, einen einheitliches Kundenerlebnis und -service über verschiedene Jurisdiktionen hinweg anzubieten. Einige Unternehmen werden möglicherweise bestimmte Märkte aufgrund der Kosten oder der Komplexität der Compliance verlassen, während kleine und mittelgroße Unternehmen aufgrund fehlender Größenvorteile zu kämpfen haben. Laut dem WWR 2013 werden große Unternehmen, besonders Marktführer mit starkem Image, besser in der Lage sein, die Auswirkungen der Rechtsvorschriften auf ihre Kunden zu verringern und größeren Nutzen aus regulatorischen Investitionen zu ziehen, während sie weiterhin in andere strategische Bereichen investieren können.[2]
 
Die langfristigen Auswirkungen der neuen Verordnungen, verpflichten Vermögensberatungen in Compliance-Maßnahmen für die kommenden Jahre zu investieren. Dies führt zu anhaltenden Auswirkungen auf das bereits hohe Kosten-Ertrags-Verhältnis[3] und die eingeschränkte Rentabilität. Compliance-Kosten entstehen durch Investitionen in gesetzlich/regulatorische Expertise und technologische Infrastruktur. Gleichzeitig bekommen die Unternehmen auch den Preis für die entgangenen Einnahmen aufgrund geringerer Produktivität der Berater zu spüren. Darüber hinaus verursacht eine Nichteinhaltung der regulatorischen Anforderungen eine Reihe von Kosten für Unternehmen; hier fallen unter anderem Bußgelder, Anwalts- und Rufschädigungskosten an. Laut WWR sollten Dienstleister im Vermögensverwaltungsbereich Technologien als Hebel zur Verringerung der Kosten für Serviceleistungen nutzen – besonders in Hinblick darauf, dass Kunden verstärkt Zugang zu digitalen Kanälen und Selbst-Management-Tools suchen.
 
Regulatorische Veränderungen sind Risiko und Chance zugleich
Die Verordnungen haben Auswirkungen auf die gesamte Kundenerfahrung und erfordern eine zunehmende Anzahl von Kundeninformationen und Dokumentation, insbesondere beim On-Boarding-Prozess. Zudem wird auch die Zeit, die Vermögensverwalter für die Beratung ihrer Kunden zur Verfügung haben, durch die regulatorischen Veränderungen stark eingeschränkt. Der WWR weist darauf hin, dass es für Unternehmen besonders wichtig wird, die Belastung der Kunden in den Bereichen On-Boarding und Beratungsdienstleistungen in dem sich entwickelnden regulatorischen Umfeld zu minimieren.
 
Viele regulatorische Änderungen haben auch Auswirkung auf eingespielte Geschäfts-und Erlösmodelle. Sie führen bei Unternehmen dazu, dass sie einzelne Elemente ihres Werteansatzes einschließlich ihrer Zielkundensegmente, die sie bedienen und der Märkte, in denen sie sich bewegen, neu bewerten. Dies könnte für einige Unternehmen bedeuten, in exklusivere Märkt zu wechseln, um nach besseren Renditen zu suchen oder die Branche ganz zu wechseln. Dies wiederum führt zu möglichen Konsolidierungen in der Branche und/oder zu engeren Service-Auswahlmöglichkeit für einige HNWIs.
 
„Um den hohen Compliance-Kosten zu begegnen und gleichzeitig Mehrwert für den Kunden zu schaffen, haben Unternehmen die Möglichkeit, ihre Portfolios und Kundenwünsche zu analysieren, zu segmentieren und Angebote basierend auf Komplexität und Umfang der Service-Bedürfnisse der HNWIs neu auszurichten“, erklärt Jean Lassignardie, Chief Sales und Marketing Officer der globalen Financial Services Unit von Capgemini. „Beispielsweise könnten Kunden in einigen Vermögensklassen und geographischen Regionen auch durch stärker standardisierte Dienstleistungen gut bedient werden, während eine Beratung von Angesicht zu Angesicht vor allem auf Kunden mit größeren, komplexeren Portfolios begrenzt sein könnte.“
 
Regulatorische Compliance als Chance für Unternehmenslevel-Transformation
Viele Unternehmen tätigen taktische Investitionen, um die regulatorischen Herausforderungen zu überwinden. Ein stärker strategisch und transformativ ausgerichteter Ansatz könnte es hingegen Unternehmen ermöglichen, einen größeren Nutzen aus regulatorisch getriebenen Investitionen zu ziehen und sich von Wettbewerbern zu differenzieren. Zu den Bereichen, die die besten Möglichkeiten bieten, gehören Technologie & Prozess (einschließlich Kundenbeziehungsmanagement, Reporting, Prozess-Automatisierung und Risikomanagement), Menschen & Kultur (einschließlich Trainings für Vermögensverwalter und Verbesserung der Rechts- und Compliance-Expertise) und Kundenkommunikation (durch die Einführung transparenter Produkt- und Marketing-Materialien sowie Beratung bei regulatorischen Anforderungen und Auswirkungen für Kunden).
 
Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit neu ausrichten, um die regulatorischen Änderungen auf strategischer Ebene zu integrieren, können den größten Effekt in Hinblick auf Effizienz und Erfüllung oder Übertreffung der Kundenwünsche erzielen“, so Lassignardie. „Insbesondere strategische Technologie-Investitionen bieten Möglichkeiten, Branchenvorreiter vom Rest der Branche zu unterscheiden. Außerdem bieten solche Investitionen die Möglichkeit, zusätzlichen Wert für einerseits das Unternehmen und andererseits den Kunden zu schaffen.“
 
Über den World Wealth Report
Der jährliche World Wealth Report ist der globale Maßstab zur Erfassung der High Networth Individuals (HNWIs), ihrem Vermögen und den globalen und ökonomischen Bedingungen, die die Veränderungen in der Vermögensverwaltungsbranche vorantreiben. Neu sind in der diesjährigen 17. Ausgabe die Erkenntnisse einer detaillierten Primäruntersuchung über die Ansichten und das Verhalten der HNWI. Basierend auf Antworten von 4.400 High Networth Individuals aus 21 Ländern enthält die Global-HNW-Insights-Umfrage den Zufriedenheitslevel, Entscheidungen zu Asset-Allokationen sowie Hinweise zur Vermögensverwaltung und Servicepräferenzen.
 
Download des Reports unter www.worldwealthreport.com  


[1] Bereiche, die die besten Möglichkeiten für strategische Transformationsentscheidungen bieten, sind Technologie & Prozess (einschließlich Kundenbeziehungsmanagement, Reporting, Prozess-Automatisierung und Risikomanagement); Menschen & Kultur (einschließlich Trainings für Vermögensverwalter und Verbesserung der Rechts-und Compliance-Expertise) und Kunden-Kommunikation (durch die Einführung transparenter Produkt-und Marketing-Materialien sowie Beratung bei regulatorischen Anforderungen und Auswirkungen für Kunden).
[2] Siehe Fußnote 1.
[3] Das Kosten-Ertrags-Verhältnis entspricht den Betriebskosten eines Unternehmens oder einer Branche geteilt durch seine betrieblichen Erträge. Das Kosten-Ertrags-Verhältnis spiegelt die Effizienz eines Unternehmens oder einer Branche hinsichtlich der Minimierung der Kosten bei steigendem Gewinn wider. Ein steigendes Verhältnis für die Vermögensberatungsbranche indiziert, dass die Kosten schneller steigen als die Erträge.